Umweltschutz
WM-Macher verfehlen ihre Klimaziele

Die größten Umweltsünder sind die Fans. Etwa drei Viertel aller Treibhausgas-Emissionen bei der Leichtathletik-Weltmeisterschaft in Berlin werden von den Besuchern während der An- und Abreise verursacht. Wo einst das Ziel Klimaneutralität ausgegeben wurde, herrscht heute Ernüchterung. Der Grund ist schlicht mangelndes Geld.

KÖLN/BERLIN. Vor einem Jahr stellte das Berliner Organisationskomitee (BOC) eine Vision vor, der selbst orthodoxe Umweltschützer Lob zollten: Die WM sollte „klimaneutral“ werden.

Das Prinzip: Wo die Veranstalter selbst keine Emissionen einsparen können, sorgen sie an anderer Stelle für einen Ausgleich. In Entwicklungsländern, so der Plan, sollten Sponsoren und Organisatoren Klimaschutzprojekte finanzieren. Diese wiederum gleichen die CO2-Emissionen aus, die die rund 500 000 Besucher bei der Anreise verursachen.

Die Vision war schön – doch der gute Wille ist trister Realität gewichen. Von Klimaneutralität ist heute keine Rede mehr. Statt eines umfassenden Konzepts wird der Umweltschutz in Berlin zum Stückwerk. Der Grund ist simpel – es fehlt das Geld.

„Die Klimaneutralität war von vornherein ein Ziel, das kaum zu erreichen war“, räumt BOC-Marketingleiter Laurens Lipperheide ein. Das Grundproblem: „Wir sind nur der Mittler und können weder Sponsoren noch Besucher zu hohen Ausgaben verpflichten, um mit dem Geld Klimazertifikate zu kaufen oder in erneuerbare Energien zu investieren.“

Die Investmentgruppe Forest-Finance hatte für das Organisationskomitee zwar einen umfassenden Plan für eine klimaneutrale Veranstaltung ausgearbeitet – bekam aber eine Absage. Geblieben ist eine Billig-Lösung, eine Art Mitfahrzentrale für WM-Touristen. Unter der Marke CO2OL bietet Forest-Finance nun die Internet-Plattform „Green Berlin“ an, die Besuchern helfen soll, ihre Anreise klimaneutral zu gestalten.

Besonders innovativ ist der Ansatz nicht: „Was wir mit Green Berlin machen, gibt es eigentlich fast alles schon: Mitfahrzentralen, Leih-Fahrräder, Online-Buchung von Bahnverbindungen. Wir verknüpfen diese nur und schaffen eine Verbindung zwischen den verschiedenen Plattformen“, sagt Dirk Walterspacher, Bereichsleiter der Marke CO2OL bei Forest-Finance. „Zumindest können wir so die Akzeptanz für öffentliche Verkehrsmittel erhöhen – und das ist der größte und effektivste Hebel beim Klimaschutz rund um Veranstaltungen.“ Die Online-Plattform sei nach der Absage an das Gesamtkonzept ein „Kompromiss“, sagt Walterspacher.

Für Umweltschützer ist „Green Berlin“ kaum mehr als ein Feigenblatt. „Es ist ja nicht so, dass die Veranstalter selbst die CO2-Emissionen senken würden. Stattdessen überlassen sie es den Besuchern und ziehen sich aus der Verantwortung“, sagt Tilmann Heuser, Landesgeschäftsführer beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND).

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