Unbekannter Virus
Mexiko-Grippe: Gefahr einer Pandemie

In Mexiko und im Süden der USA grassiert eine von einem bislang unbekannten Virus verursachte Schweinegrippe. Nach jüngsten Angaben starben in Mexiko bis zu 62 Menschen an der Seuche. Das öffentliche Leben kam zum Stillstand – und Experten warnen vor einer weltweiten Epidemie.

HB MEXIKO-STADT. Ein in Mexiko grassierendes gefährliches Grippevirus hat die internationalen Gesundheitsbehörden alarmiert. Nach Ansicht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) könnte sich das Virus weltweit ausbreiten und damit zu einer Pandemie werden. Mehrere Länder der Region, darunter Nicaragua, Kolumbien und Brasilien, erhöhten ihre Kontrollen. An Flughäfen wurden aus Mexiko kommende Passagiere speziell untersucht, ankommende Waren kontrolliert. Sogar in Japan mussten sich am Samstag alle Passagiere eines Fluges aus Mexiko Fieber messen lassen, um ein Einschleppen der Schweinegrippe zu verhindern. In Mexiko fällt der Schulunterricht bis auf weiteres aus, Großveranstaltung wurden abgesagt.

Die Infektion habe das „Potenzial einer Pandemie“, sagte WHO- Generaldirektorin Margaret Chan am Samstag in Genf. Die WHO berief eine Dringlichkeitssitzung ihrer Infektionsexperten ein. Wenn das Gremium die Gefahr eine über Mexiko hinausgehenden Verbreitung der Infektion sieht, könnte es Reise- oder Handelsbeschränkungen empfehlen. Das Auswärtige Amt in Berlin änderte seine Reisehinweise für Mexiko zunächst nicht.

Auch das Robert Koch-Institut in Berlin warnte vor einer möglichen Ausbreitung in andere Länder. „Die Fälle, die wir in Mexiko und den USA haben, zeigen, dass das Virus von Mensch zu Mensch übertragbar ist“, sagte Sprecherin Susanne Glasmacher am Samstag der dpa. „Wir sind im Gespräch mit den Bundesländern, um Empfehlungen für Flughäfen zu geben.“ Weil es sich um ein neues Virus handele, könne es noch keinen Impfstoff gegen die Schweinegrippe geben.

Es seien bisher 62 Menschen in Mexiko an Grippe gestorben, bestätigte die WHO-Sprecherin, Fadela Chaib, am Samstag in Genf. Davon ist in 18 Fällen die spezielle Virusvariante bereits als Schweinegrippe (A/H1N1) identifiziert worden. Bei 42 weiteren Grippetoten sei das neue Virus noch nicht nachgewiesen, hieß es. In den USA waren acht Menschen - vor allem an der Grenze zu Mexiko - durch das Virus A/H1N1 an Grippe erkrankt, einer von ihnen musste vorrübergehend in einer Klinik behandelt werden. Allen gehe es inzwischen aber wieder besser.

Die mexikanische Regierung berichtete laut WHO von mehr als 860 Menschen allein in Mexiko-Stadt, die seit Mitte März an Lungenentzündung erkrankt sind oder waren. Gesundheitsminister José Ángel Cordova sagte jedoch, es seien bisher weniger Fälle aufgetreten. Für Ein- und Ausreisen gab es bislang keine Beschränkungen. Sowohl in Mexiko als auch in den USA hatte das Virus typische Grippe-Symptome wie Schnupfen, Husten, hohes Fieber und Halsschmerzen ausgelöst. Vor allem in Mexiko hatten sich daraus Lungenentzündungen entwickelt.

Die Mexikaner ergriffen unterdessen umfangreiche Maßnahmen, um eine Ausbreitung der Epidemie zu verhindern. Bereits am Freitag waren alle Schulen und Universitäten geschlossen worden. Großveranstaltungen in der Hauptstadt mit ihren rund 20 Mio. Einwohnern und im Staate Mexiko wurden abgesagt. Wichtige Fußballspiele werden ohne Publikum ausgetragen. Nach Fernsehberichten ging die Zahl der Besucher von Restaurants und Bars, sowie Theater und Kinos um rund 40 Prozent zurück. In und vor Apotheken und Drogerien standen die Menschen an, um sich mit Mundschutz-Masken einzudecken.

Die Virusvariante von A/H1N1 war laut WHO bisher nicht in Schweinen oder beim Menschen identifiziert worden. Studien zufolge tragen allerdings bis zu 50 Prozent aller Schweine in Herden in den USA den Erreger in sich. Bei vielen der infizierten Menschen in den USA steht aber schon jetzt fest, dass sie keinen Kontakt mit Schweinen hatten. Somit bleibt es für die Fachleute vorerst ein Rätsel, wie sie sich angesteckt haben. Gesundheitsminister Cordova äußerte die Vermutung, das Virus sei von außen nach Mexiko eingeschleppt worden.

Die WHO spricht davon, dass die Ausbreitung der Grippe vor allem auf junge, sonst gesunde Erwachsene, Sorgen bereite. Die Genfer Organisation steht in ständigem Kontakt mit den Behörden in Mexiko und den USA sowie anderen Ländern der Region. Das für Notfälle zuständige Strategische Gesundheitsoperationszentrum (Strategic Health Operations Centre) der Organisation sei im Einsatz, sagte Sprecherin Chaib.

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