Und sie tanzen doch
Mehr als 500 000 Raver bei Love Parade

Jetzt erst recht: Die internationale Raver-Gemeinde tanzte bei der 15. Love Parade in Berlin um die Zukunft der weltweit größten Technoparty. Ein fester Kern von Szenegängern hielt dem Spektakel die Treue und rettete die Parade vor einem Flop. Fast wie zum Trotz feierten sie am Samstag besonders ausgelassen.

dpa BERLIN. Eine halbe Million Technofans zogen nach Polizeiangaben rund um die Siegessäule, die Veranstalter schätzten das Partyvolk sogar auf 750 000. Kein Vergleich mit den „goldenen Zeiten“, als die Love Parade noch mehr als 1,5 Millionen in ihren Bann zog. Aber gefeiert wurde trotzdem. „Es sind zwar weniger Leute, aber es ist immer noch Fun“, meinte Jan Wormstall (18) aus Hamm, dessen Haare blau leuchteten.

Jugendliche aus aller Welt ließen sich auf der Straße des 17. Juni im Technorausch treiben, verwandelten die Hauptstadt in eine große Partyzone. Unter dem Motto „Love rules“ („Liebe regiert“) heizten 100 DJs der Menge ein. Die Oberkörper zuckten zu Beats im Herzschlag-Rhythmus. Tausende Arme reckten sich gen Himmel. Viele Raver putschten sich mit Alkohol auf, um bis zur Abschlusskundgebung mit Love-Parade-Gründer Dr. Motte durchzuhalten.

Der richtete in guter Tradition eine Friedensbotschaft an seine Liebesjünger. Das Motto „Love rules“ erklärte der Techno-Guru so: „Wir sind weltweit eine große Familie. Mit Kriegen löst man keine Probleme, mit Terror überzeugt man niemanden. Die Alternative kann nur heißen: Liebe und Respekt, Verständnis und Geduld.“

"Das ist einfach unsere Musik"

Das bunte Partyvolk lag ihm zu Füßen. Je schriller, desto besser hieß wieder einmal die Kleiderordnung. Mit knappem Bikini, Kettenhemd oder kurzem Schottenrock folgten die Technojünger den 28 „Lovetrucks“. Frauen traten in diesem Jahr gerne als rosarote Bunny- Häschen mit Plüschohren auf, Männer präsentierten sich im Bauarbeiter-Look samt Blinklichtern und Absperrband um die Hüften.

Manch einer nutzte die Party, um aus dem täglichen Einerlei auszubrechen. Peter (45) und Petra (38) aus Münster sind im bürgerlichen leben Polizist und Angestellte. Nun gaben sie sich ganz den hämmernden Beats hin. „Das ist einfach unsere Musik“, sagten sie und tanzten Händchen haltend.

Dass es sich bei der Love Parade richtig gut feiern lässt, hat sich bis ins Ausland herumgesprochen. Vor allem Techno-Freaks aus Osteuropa und den Niederlanden pilgerten nach Berlin. Vladimir Zabellevits schwenkte eine Flagge seines Heimatlandes Estland. Der 22-Jährige reiste mit 70 Freunden im Bus an und ist dem Spektakel verfallen. „Die Party ist genauso gut“, sagte er und konnte angesichts der Debatten über ein Ende der Parade nur die Schultern zucken.

„Alles hängt davon ab, was in diesem Jahr passiert“, hatten die Love-Parade-Macher vor der Parade angedroht. Bei einem weiteren Besucherschwund hätten sie sich die schon lange nicht mehr als politische Demonstration geltende Riesenfete finanziell nicht mehr leisten können. So wurde mit Argusaugen geschaut, wo große Lücken zwischen dem Partyvolk klafften. Ein kollektiver Stoßseufzer ging durch die Stadt, als es am Nachmittag hieß: Die Love Parade ist gerettet.

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