„Katrina“ und die Folgen
Die erstaunlichen Ansichten der Familie Bush

US-Präsident George W. Bush bekommt beim Wettlauf um das unpassendste Zitat nach dem Wirbelsturm „Katrina“ unerwartet Konkurrenz aus der eigenen Familie. Seine Mutter Barbara Bush redete sich nach einem Besuch im Houston Astrodome um Kopf und Kragen.

HB HOUSTON. Gut 400 000 Obdachlose drängen sich zurzeit in Notunterkünften, die meisten von ihnen im Houston Astrodome in Texas, das eigentlich ein großes Sportstadion ist. Eng zusammengepfercht schlafen sie dort auf Notliegen, über ihnen Tag und Nacht Neonlicht. Aus Sicht der Präsidentenmutter bedeutet diese Lage für viele von ihnen eine Verbesserung des Lebensstandards. "Viele der Menschen hier waren sowieso unterprivilegiert, deswegen ist das hier sehr angenehm für sie", urteilte sie nach einem Besuch im Astrodome.

In einem anschließenden Interview nahm sie ihren Sohn in Schutz: "Hunderttausende sind inzwischen in Sicherheit und komfortabel untergebracht." Zu den Schwarzen Brettern, mit deren Hilfe unzählige Opfer verzweifelt nach Angehörigen suchen, fiel ihr ein: "Es dauert jetzt noch ein bisschen, bis die Familien wieder zusammen sind."

Barbara Bush tat ihr Möglichstes, um die Situation in einem guten Licht erscheinen zu lassen: "Jeder hier ist überwältigt von der Gastfreundschaft in Houston. Fast jeder dort sagte mir: 'Gott segne Ihren Sohn'". Lediglich ein Problem sah die Gattin des Ex-Präsidenten George Bush: "Wie ich hörte, wollen viele hier in Texas bleiben - das finde ich beängstigend."

Für die amerikanischen Medien sind diese Äußerungen ein gefundenes Fressen. "Wie die Mutter, so der Sohn", kommentierte "The Nation" das Interview mit Barbara Bush. Schon vor dem Interview waren viele Medien ungewöhnlich hart mit dem Präsidenten ins Gericht gegangen. Vielfach kritisiert wurde etwa das Lob des Präsidenten für Michael Brown, den inzwischen zurückgetretenen Chef der amerikanischen Katastrophenschutzbehörde Fema. "Du hast Spitzenarbeit geleistet, Brownie", hatte Bush ihm attestiert. Zu diesem Zeitpunkt stand Brown bereits in der ganzen Nation unter Beschuss wegen seines mangelhaften Krisenmanagements.

Der linke "The Nation"-Kolumnist Robert Scheer will nun erfahren haben, dass Angestellte der Washingtoner Umweltbehörde Epa den Vorschlag gemacht haben, das überschwemmte New Orleans umzubenennen. Der neue Name: "Lake George".

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