„Wiederaufbau macht keinen Sinn“
Republikaner wollen New Orleans aufgeben

Angesichts der dramatischen Verwüstung von New Orleans plädieren die Republikaner im US-Repräsentantenhaus dafür, die Stadt aufzugeben. Ihr Sprecher Dennis Hastert sagte, es mache keinen Sinn, Milliarden Dollar in den Wiederaufbau einer unter dem Meeresspiegel liegenden Stadt zu stecken

HB NEW ORLEANS "Es sieht aus, als müsste ein Großteil der Stadt abgerissen werden", sagte Hastert. Zwar würden die Menschen ihre Häuser wieder aufbauen wollen, es stelle sich jedoch die Frage, ob es richtig sei, wenn die Versicherungen und der Staat dies massiv unterstützten. "Wir müssen einen zweiten Blick darauf werfen", so Hastert.

Bei den Demokraten im Parlament stieß der Vorschlag auf Empörung. Der Abgeordnete Charlie Melancon nannte die Ausführungen Hasterts "unverantwortlich". Senatorin Mary L. Landrieu forderte den Republikaner auf, sich auf die menschliche Tragödie zu konzentrieren.

Vergewaltigungen im "Superdome"

In New Orleans hat sich die Lage für die Überlebenden des Hurrikans "Katrina" noch einmal verschärft. Ein Augenzeuge berichtete dem Nachrichtensender CNN von Vergewaltigungen im Football-Stadion "Superdome", wo noch immer zahlreiche Flüchtlinge bei katastrophalen sanitären Verhältnissen ausharren. "Hier laufen bewaffnete junge Burschen herum und vergewaltigen Mädchen." Leichen würden einfach in eine Ecke geschoben, so der Zeuge.

Inzwischen stößt jedoch das Ausweichquartier für die Flüchtlinge, das Stadion "Astrodome" im 550 Kilometer entfernten Houston, an seine Grenzen. Ein Behördensprecher sagte, Menschen aus New Orleans seien am späten Donnerstagabend (Ortszeit) aus Sicherheitsgründen abgewiesen worden. Nun bereitet sich die Stadt San Antonio in Texas, die etwa 800 Kilometer von New Orleans entfernt liegt, auf zehntausende Flüchtlinge vor.

Am Mittag ereignete sich in New Orleans mindestens eine laute Explosion. Ein Polizei-Sprecher sagte dem US-Sender CNN, mehrere Eisenbahnwaggons Waggons seien explodiert. "Die Hauptsorge ist jetzt, rauszufinden, was da ist." CNN-Reporter sagten, sie seien von einem lauten Knall aufgeweckt worden und dass dicker Rauch von dem Ort der Explosion aufsteige.

Schießbefehl erteilt

Die Lage im fast gänzlich überfluteten New Orleans wird als anarchisch und chaotisch beschrieben. Verwesende Leichen liegen in der Straßen, bewaffnete Plünderer sind unterwegs, tausende von Menschen warten weiter auf ihre Rettung oder wenigstens auf die Versorgung mit dem Nötigsten. Als Rettungskräfte eine überflutete Klinik evakuieren wollten, wurden sie von einem Heckenschützen beschossen. In anderen Straßen der Stadt waren Schüsse zu hören.

Angesichts der um sich greifenden Gesetzlosigkeit erteilte die Gouverneurin von Louisiana, Kathleen Blanco, der einrückenden Nationalgarde die Erlaubnis, auf Randalierer zu schießen. Sie sagte, die Gardisten hätten den Befehl "zum Schießen und Töten". Teile der Truppe seien erst kürzlich aus dem Irak zurückgekommen und kampferprobt, warnte sie. Derweil ist die Verstärkung der Sicherheitskräfte im vollen Gange. Die Soldaten wurden von Hubschraubern herabgelassen. In der Altstadt übernahmen Einheiten mit gepanzerten Fahrzeugen die Kontrolle.

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