Unesco-Erbe
Mont-Saint-Michel soll wieder zur Insel werden

Mont-Saint-Michel, der weltbekannte französische Klosterberg im Ärmelkanal, steht eigentlich vier Kilometer vor der französischen Küste. Im Laufe der Zeit ist Unesco-Weltkulturerbe jedoch völlig versandet. Damit der Berg wieder zur Insel wird, verwandelt er sich nun in eine Großbaustelle.

HB CHERBOURG. Nach zehnjähriger Vorbereitung gab Frankreichs Premierminister Dominique de Villepin am Freitag das Startzeichen für das Großprojekt. Der Klosterberg im Ärmelkanal wird von eineinhalb Millionen Kubikmetern angeschwemmter Ablagerungen befreit. Der Jahr für Jahr von drei Millionen Touristen besuchte Mont-Saint-Michel soll künftig also vor der Küste bleiben. Vier Kilometer war er einst vom Kontinent entfernt, der Sand näherte ihn auf einige Dutzend Meter an.

Den Anfang hatten die olivgrünen und hell gesprenkelten Schlammtaucher machen dürfen. Etwa eine Hundertschaft der kleinen Krötenfrösche musste 2005 in eigens für sie angelegte Teiche an der seichten Ärmelkanal-Bucht von Moidrey umziehen. Denn Fauna und Flora sollen nicht leiden, nur weil die malerische normannische Bucht mit ihrem überragenden Meisterwerk mittelalterlicher Architektur jetzt sechs Jahre lang eine Großbaustelle ist. Die Touristen können auch in dieser Zeit den 1979 zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärten Klosterberg erklimmen. Bis zu fünf Millionen kann das Monument später verkraften.

Mehr als 150 Millionen Euro wird es kosten, dem Granitfelsen mit der Abtei und dem schlanken Glockenturm seinen insularen Charakter zurückzugeben und Bausünden der Vergangenheit zu beseitigen. Zehn Jahre lang hatten sich Studien gehäuft. Modelle wurden gebaut, die Belange von 17 Kommunen abgestimmt sowie nach Einsparungen gesucht.

In drei Jahrzehnten hatte zunächst ein Plan den anderen abgelöst, um der Verschlammung der Bucht Herr zu werden. Das Problem ist lange bekannt und teilweise hausgemacht. Mehr als 700 000 Kubikmeter Sand schwemmt die Flut Jahr für Jahr an. Der in die Bucht mit dem steilen Klosterberg führende Fluss Couesnon treibt, vereint mit den Kräften der Gezeiten, aber nur einen Teil davon auch wieder weg. Um 25 Hektar wuchsen so jährlich die Salzwiesen in Wattnähe, die das Fleisch der 13 000 dort weidenden Lämmer fein würzen.

Um dem Klosterberg sein Naturambiente zurückzugeben, muss der feste Straßendamm zum gegenwärtigen Parkplatz direkt am Saint-Michel weggebaggert und durch eine schlanke Stelzen-Brücke ersetzt werden, die Ebbe und Flut freie Bahn lässt. Denn der Damm trägt seit 1879 ganz erheblich zur Versandung bei. Der Plan des österreichischen Architekten und Brücken-Experten Dietmar Feichtinger verbannt Autos völlig aus der Nähe - auf seiner „Passerelle“ zum Mont-Saint-Michel pendelt ab 2010 eine Elektro-Bahn für tausende Besucher pro Stunde. Man kann nach den Arbeiten auch weiter zu Fuß zum Berg pilgern.

Autos müssen derweil zweieinhalb Kilometer entfernt auf dem Festland bleiben. Ein Parkplatz für mehr als 4000 Autos wird gebaut. „Wenn das fertig ist, können fünf Millionen Besucher im Jahr kommen“, erläutert der Bauverantwortliche François-Xavier de Beaulaincourt.

Doch zunächst einmal ist der Fluss Couesnon dran, der zwecks Wasserversorgung gestaut wurde und die Ablagerungen deshalb nicht zurück ins Meer spülen kann. Der Fluss soll wieder seine Arbeit tun, für die Rettung des architektonischen Juwels als Insel. Er erhält eine Schleuse mit Rückhaltesystem, damit er, gründlich von Sedimenten gereinigt, als eine Art gigantische Wasserspülung dient. Bei Ebbe fließt hydraulisch zurückgehaltenes Flutwasser wieder in die Bucht. Wieder zur Insel wird der magische Klosterberg allerdings immer nur eine kurze Zeit - wenn die Flut hoch genug steigt, um ihn ganz zu umspülen.

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