Unesco-Weltkulturerbe Ein Opfer des eigenen Erfolgs

Über 1.000 Welterbestätten gibt es schon, und die Liste wird immer länger. Dadurch hat die Unesco immer weniger Geld übrig, um Stätten zu erhalten oder wieder aufzubauen. Kritiker fordern eine Einigung über ein Ende.
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Die Stadt Hamburg hofft auf ihr erstes Weltkulturerbe. Das Unesco-Welterbekomitee in Bonn entscheidet über 36 neue Bewerbungen für die Liste der Welterbestätten. Quelle: dpa
Speicherstadt Hamburg

Die Stadt Hamburg hofft auf ihr erstes Weltkulturerbe. Das Unesco-Welterbekomitee in Bonn entscheidet über 36 neue Bewerbungen für die Liste der Welterbestätten.

(Foto: dpa)

Bonn Die Pyramiden, Venedig und die Chinesische Mauer - das ist unbestritten Weltkulturerbe. Aber wie sieht es aus mit belgischen Schiffshebewerken, der Weinbaulandschaft des Piemont oder mit der Hamburger Speicherstadt, die am Wochenende wohl mit dem begehrten Titel ausgezeichnet wird? Da erschließt sich der „außergewöhnliche universelle Wert“ zumindest nicht unmittelbar.

Über 1000 Welterbestätten gibt es schon, und es werden jedes Jahr mehr. Allein in den nächsten Tagen entscheidet das Unesco-Welterbekomitee in Bonn über 36 neue Bewerbungen, von der Daurischen Steppe in Russland und der Mongolei bis zu einer schottischen Eisenbahnbrücke. Deutschland bewirbt sich außer mit der Speicherstadt mit dem Naumburger Dom und ist beteiligt an einer Sammelbewerbung zur Wikingerkultur.

All das verschärft die sowieso schon prekäre Finanzlage der UN-Kulturorganisation: Seit die Unesco Palästina 2011 als Vollmitglied aufgenommen hat, hat der größte Beitragszahler USA den Geldhahn zugedreht. Das bedeutet 22 Prozent weniger. So kommt es, dass für die Welterbe-Programme noch nicht einmal fünf Millionen Euro im Jahr zur Verfügung stehen.

Davon fließen mittlerweile 80 Prozent in die Bewertung und Überprüfung der Stätten. „Das ist in der Tat ein kritischer Punkt“, sagt die Vorsitzende des Welterbekomitees, Staatsministerin Maria Böhmer (CDU), in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur. „Bei den Finanzen knirscht's.“ Dennoch ist sie keinesfalls dafür, die Liste zu schließen: „Qualitätsvolle Welterbestätten sind immer willkommen.“

Stephan Dömpke, Vorsitzender des Berliner Vereins World Heritage Watch, hält die immer länger werdende Liste dagegen für höchst problematisch. „Denn mit der zunehmenden Zahl geht unweigerlich eine schleichende Entwertung einher.“ Man müsse sich darüber einigen, wie man zu einem Ende der Liste kommen könne.

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