Unfall in Rios Samba-Finale
Wagen fährt in Menschenmenge

Schock im Sambódromo: Beim Durchmarsch der Sambaschulen verliert ein großer Wagen die Kontrolle und quetscht Menschen am Rande ein. Nach dem Abtransport der Verletzten heißt es aber: Der Karneval geht weiter.
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Rio de JaneiroEin schwerer Unfall mit einem Karnevalswagen hat den Wettstreit der berühmten Sambaschulen in Rio de Janeiro überschattet. Gleich zu Beginn des Finales der besten Sambaschulen geriet der festlich geschmückte Wagen der Schule „Paraíso do Tuiuti“ im Sambódromo außer Kontrolle und fuhr in die Menschenmenge, wie ein Reporter der Deutschen Presse-Agentur beobachtete. Es gab mindestens acht Verletzte, zwei davon schwer. Ein Mann wurde an einem Absperrgitter durch den schweren Wagen eingequetscht, das Defilee wurde unterbrochen, Kranken- und Feuerwehrwagen rasten zu der Stelle.

An der Stelle standen vor allem Journalisten, die direkt vom Boulevard über das Sambaschulen-Finale berichteten. Der Wagen wurde der Polizei zur Untersuchung übergeben. Die Organisatoren teilten nach der Abfahrt der Rettungswagen mit, dass die Veranstaltung trotzdem fortgesetzt werde. Nach einer Stunde ging der Umzug mit der Schule Gres Acadêmicos Do Grande Rio weiter, die mehreren tausend Tänzer legten aber nach wenigen Minuten aus Respekt vor den Verletzten eine Pause ein.

Der Wagen gehörte der Sambaschule Paraiso do Tuiuti. Sie bedauerte den Unfall und sicherte den Behörden volle Unterstützung bei den Ermittlungen zu und bot den Verletzten Hilfe an. Die Polizei teilte mit, einer der drei Fahrer des Wagens stehe im Mittelpunkt der Ermittlungen. Der letzte Wagen der Sambaschule sei plötzlich in den Rückwärtsgang gegangen und habe Menschen gegen das Gitter auf der einen Seite des Weges gedrückt. „Das hat zu Cahos geführt, und die Fahrer machten ein schnelles Manöver in die entgegengesetzte Richtung und verletzten noch mehr Leute“, sagte der Ermittler William Lourenco Bezerra.

Das Finale der Sambaschulen gilt als Höhepunkt des Karnevals in Rio. Zwölf Schulen mit jeweils über 3000 Tänzern und Musikern wetteifern in den Nächten zu Montag und Dienstag vor knapp 72.000 Zuschauern um den Titel des Siegers 2017.

Auf den Rängen entlang des 700 Meter langen Boulevards jubelten die Menschen nach dem ersten Schock den Tänzern zu, sangen laut mit. Die riesigen Wagen mit schwebenden Drachen, Tukanen und Papageien huldigten der Tier- und Naturvielfalt Brasiliens, auch eine Hommage an afro-brasilianische Riten wie die besonders in Salvador de Bahia verbreitete Candomblé wurde präsentiert.

Der neue Bürgermeister Rios, Marcello Crivella, ein strenggläubiger früherer Sektenbischof glänzte demonstrativ mit Abwesenheit. Er hatte schon die traditionelle Übergabe des Stadtschlüssels an König Momo am Freitag geschwänzt, als Begründung ließ er ausrichten, seine Frau habe eine schwere Grippe.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
ap 
Associated Press / Nachrichtenagentur

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