Ungewissheit in Bamako
Rückkehr der Sahara-Geiseln erneut geplatzt

Ein Ende des seit sechs Monaten andauernden Geiseldramas in der Sahara hat sich am Montag erneut verzögert. Beobachter in der malischen Hauptstadt Bamako hielten die Rückkehr der 14 Abenteuer-Touristen in ihre Heimat nun am Dienstag für möglich.

HB/dpa BAMAKO/BERLIN. Eine Transall der Bundeswehr musste am Abend ohne die Geiseln von Gao im Norden des Landes in die Hauptstadt Bamako zurückkehren. Möglicherweise hatten Sandstürme und Regen den Transport der verschleppten Frauen und Männer aus Deutschland, der Schweiz und den Niederlanden an einen zentralen Ort verhindert.

Nachdem sich die Freilassung der Geiseln im Lauf des Tages immer weiter verzögert hatte, wurde der Bundeswehr-Airbus auf dem internationalen Flughafen von Bamako, der die Geiseln nach Köln bringen sollte, außer Bereitschaft gestellt. Grund dafür war, dass die in Gao im Norden Malis auf die Touristen wartende Transall- Maschine wegen der zulässigen Betriebszeiten nach Bamako zurückkehren musste. Die Geiseln waren bis dahin nicht wie erhofft eingetroffen. Die Transall sollte am Dienstagmorgen erneut nach Gao fliegen. Bis dahin wurde eine Ersatzcrew aus Deutschland erwartet.

Es gebe trotz der Verzögerungen keinen Anlass zur Beunruhigung, versicherten diplomatische Kreise in Bamako. Bundesaußenminister Joschka Fischer (Grüne) äußerte vor der Presse in Berlin die Hoffnung, dass die Vermittlung der malischen Seite zum Erfolg führe und alle 14 Geiseln gesund zurückkehrten. „Wir haben es mit einer extrem schwierig zu handhabenden Situation zu tun, sagte er. Grundsätzlich sei es die Haltung der Bundesregierung, kein Lösegeld zu zahlen. „Gleichzeitig tut sie alles, um die Geiseln frei zu bekommen.“

In Bamako war bis zum Abend unklar, wo und in wessen Händen sich die Sahara-Touristen befanden. Zunächst war nach offenbar erfolgreicher Vermittlung am Wochenende fest mit der Übergabe der Geiseln gerechnet worden. Dann hieß es, es gebe einen Stillstand und keine Erkenntnisse, ob die Touristen bereits von ihren Entführern an Mittelsmänner übergeben worden seien. Militärkreise in Mali behaupteten, die Geiseln seien „definitiv frei“ und in malischer Hand. Dies wurde von anderen Quellen bezweifelt.

Der deutsche Staatssekretär im Auswärtigen Amt, Jürgen Chrobog, und deutsche Diplomaten in Bamako gaben die Hoffnung nicht auf, dass die Rückkehr der Geiseln doch noch bald über die Bühne gehen könnte. „Wir befinden uns in einer wichtigen Endphase“, sagte Bela Anda, der Sprecher der Bundesregierung, in Berlin. Es war geplant, die Geiseln in Tessalit im Norden Malis zusammenzuführen und zunächst mit einer Antonov des malischen Militärs nach Gao im Nordwesten zu bringen. Von dort sollte die Transall-Maschine die Freigelassenen in die Hauptstadt Bamako fliegen.

Nach einem Bericht der malischen Zeitung „L'Indépendent“ sollen die einer radikal-islamistischen Gruppe aus Algerien angehörenden Entführer ein Lösegeld in Höhe von umgerechnet 4,6 Mill. € erhalten haben. Die Bundesregierung sagt dagegen offiziell, es sei kein Lösegeld gezahlt worden.

Insgesamt waren zuletzt neun Touristen aus Deutschland, vier Schweizer und ein Niederländer in der Hand der Entführer. Sie waren am 22. Februar und am 8. März gemeinsam mit anderen Europäern im algerischen Teil der Sahara verschleppt worden. 17 Geiseln wurden Mitte Mai in Algerien befreit. Eine Gefangene, die 46 Jahre alte Deutsche Michaela Spitzer, starb am 28. Juni wahrscheinlich an einem Hitzschlag.

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