Unglück wird langsam enträtselt
Helios 522: Passagiere flogen bewusstlos in den Tod

Die Auswertung des Stimmrekorders der nahe Athen abgestürzten Passagiermaschine hat die Ermittler vor neue Fragen gestellt. Fest steht nach der Autopsie der Leichen: Piloten und Insassen waren während des Irrfluges der Maschine und bis zu ihrem Absturz nahe Athen bewusstlos.

HB ATHEN/NIKOSIA/DÜSSELDORF. „Sie hatten offenbar alle Hypoxämie. Das bedeutet: herabgesetzten Sauerstoff im Blut“, sagte der Mediziner Nikos Karakoukis, der an den Autopsien der Leichen teilnimmt, am Montag im staatlichen griechischen Fernsehen. Beim Absturz des Flugzeugs am 14. August nahe Athen waren alle 121 Menschen an Bord ums Leben gekommen.

Es stünden noch einige Gewebeuntersuchungen aus, um auszuschließen, dass die Passagiere giftige Gase eingeatmet haben. „Falls auch diese Tests zeigen, dass sie nicht durch Gase vergiftet wurden, haben wir ein klares Bild vom Zustand, in dem sich die Opfer befanden“, sagte der Arzt weiter. Bereits am vergangenen Dienstag war festgestellt worden, dass die Opfer kein hochgiftiges Kohlenmonoxid eingeatmet hatten.

Hypoxämie entsteht in einem Flugzeug, wenn das Luftdrucksystem gar nicht oder nicht richtig funktioniert. Die Untersuchungskommission konzentriert sich auf ein Ventil in der verunglückten Maschine, das einen Abfall des Luftdruckes und damit auch den Sauerstoffmangel kurz nach Abflug aus Larnaka verursacht haben könnte. Ab einer Höhe von rund 3 700 Meter bekommt der Körper immer weniger Sauerstoff. Der Mensch kann zunächst nicht mehr richtig denken und agieren und fällt schließlich in Ohnmacht.

Ums Leben kamen die Insassen erst beim Aufprall. Das ergab die Obduktion von 118 der 121 Opfer, wie Chef-Gerichtsmediziner Filippos Koutsaftis am Sonntag nach Abschluss der Obduktionen mitteilte. Drei Leichen konnten bislang nicht gefunden werden. Zunächst hatte es geheißen, viele Insassen seien wegen der eisigen Temperaturen und des Sauerstoffmangels an Bord vermutlich bereits tot gewesen, als die Boeing 737-300 am 14. August bei Athen zerschellte.

Bislang konnten erst 37 Opfer identifiziert werden. Für die anderen, darunter auch die des deutschen Piloten, seien DNA-Tests notwendig, hieß es. Von den drei Opfern, die noch nicht gefunden wurden, seien vermutlich nur Körperteile geborgen und in die Gerichtsmedizinische Abteilung gebracht worden. Erst weitere DNA- Tests könnten Aufschluss darüber geben, ob und welche Leichen fehlen.

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