Unicredito
Der preußische Italiener

Von italienischem Dolce Vita kann bei Alessandro Profumo kaum die Rede sein. Vielmehr legt der Unicredito-Chef ein Tempo vor, das seine neuen Partner nördlich der Alpen in Atem hält. Im Juni wurde die Übernahme der Hypo-Vereinsbank (HVB) durch Unicredito Italiano verkündet. Am 18. November besiegelte der Verwaltungsrat von Unicredito die Übernahme der zweitgrößten deutschen Bank.

HB MAILAND. Mit der größten grenzüberschreitenden Bankenfusion Europas geht Alessandro Profumo in die Bankgeschichte ein. Er ist ein Mann, der weiß, was er will. Wenn der stets perfekt gekleidete Manager mit seiner stattlichen Statur und seinem aufrechten Gang den Raum betritt, beherrscht er ihn - und er will ihn auch beherrschen. Selbst die Worte des ehemaligen HVB-Chefs, dem neuen Unicredito-Verwaltungsratsvorsitzenden Dieter Rampl, wischt er gerne mal mit einer ungeduldigen Handbewegung zur Seite. Er ist es gewohnt, im Mittelpunkt zu stehen.

Wegbegleiter beschreiben den Hobbytaucher trotz aller Ambitionen als unverkrampft und flexibel. Noch heute trifft sich der als Gesellschaftslöwe bekannte Manager mit seinen ehemaligen McKinsey-Kollegen. Zu der Unternehmensberatung war er nach seinem Wirtschaftsstudium an der renommierten Mailänder Bocconi-Universität und mehreren Jahren bei der kleinen Bank Lariano gekommen - deren Direktor sein Schwiegervater war.

39 Jahre ist er alt, als er 1996 jüngster Bankchef Italiens wird. Aus der schwerfälligen Unicredito, hervorgegangen aus der Geschäftsbank Credito Italiano und sechs regionalen Sparkassen, schafft er innerhalb weniger Jahre eine schlagkräftige internationale Bank. Als einer der ersten treibt der ehemalige Unternehmensberater das Auslandsgeschäft voran. Die Zuständigkeiten trennt er klar nach Produktion und Vertrieb. Früh setzt er auf einheitliche EDV-Systeme und Prozessoptimierung. Und er teilt Unicredito in drei getrennte Institute für Privatkunden, Firmenkunden und die wohlhabende Klientel auf - ein Modell, das er nun auch auf die Hypo-Vereinsbank überträgt.

Dabei verlief die Übernahme der deut-schen Bank in den letzten Wochen vor dem offiziellen Abschluss nicht ganz reibungslos. Christine Licci, Privatkundenchefin der HVB, und Stefan Jentzsch, eigentlich für den Job als Investment-Banking-Konzernvorstand vorgesehen, sprangen kurz vor Schluss ab. Einen Mailänder Analysten, der nicht genannt werden will, wundert das nicht: "Profumo hat auch bei den vergangenen Übernahmen sofort das Ruder in die Hand genommen und die Spitze mit Leuten besetzt, die der Zentrale nahe stehen", sagt er.

Der Unicredito-Chef gilt in Italiens Finanzkreisen als jemand, den man nicht zum Gegner haben will. Als ihm der Chef der Investmentbank Mediobanca übel mitspielte, sorgte Profumo über geschicktes Taktieren dafür, dass er innerhalb weniger Monate seinen Job verlor. Dennoch gilt Profumo nicht als kalter Karrieremensch. Ein ehemaliger Weggefährte spricht noch immer in höchsten Tönen über ihn: "Profumo ist nicht nur ein guter Manager, sondern auch als Mensch integer."

Der Unicredito-Chef spricht gerne über Werte, hat eine Stiftung für Entwicklungshilfe ins Leben gerufen und sogar ein Buch mit dem Titel "Plus Valori" (Mehr-Werte) geschrieben. Im Herbst schlossen alle Bankfilialen für einige Stunden, weil der Vorstandsvorsitzende allen Mitarbeitern den neuen Wertekatalog für die Bank vorstellte.

Seine Grundausrichtung behält er dennoch bei. "An seinen Rendite-Vorgaben hält er knallhart fest. Da gibt es kein Wenn und Aber", berichtet ein Unicredito-Banker. Auch bei der Übernahme der HVB duldet Profumo nur den Erfolg. Beim ersten Treffen mit deutschen Führungskräften machte der Banker mit sonorer Stimme klar: "Wenn wir unsere Ziele nicht erreichen, dann bin ich tot. Aber bevor ich sterbe, sind Sie dran."

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
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