Unkontrollierbare Großbrände verwüsten Kalifornien
Feuerhölle im Paradies

  • 1

„Keinerlei Geschäftsbetrieb mehr möglich“

Wie groß die Schäden in Tourismus und Weinanbau sind, steht noch nicht fest, aber mehrere Weinbaubetriebe sind geschlossen, Luxusrestaurants verwaist. Das Chateau St. Jean in Kenwood ist laut Webseite schwer beschädigt, vor allem das im spanischen Stil errichtete Hauptgebäude, umgeben von malerischen Gärten und großzügigen Weinbergen, ist Opfer der Flammen geworden.

Dem Signorella Estates in Napa ist es nicht besser ergangen. In Sonoma hat es am Montag zumindest die Paradise Ridge Winery erwischt. Michael Honig, Vorsitzender der Napa Valley Vintners Trade Association, geht von fünf Totalverlusten und mindestens neun mehr oder weniger schwer beschädigten Weingütern aus. Er betont aber, dass sich noch lange nicht alle Betriebe gemeldet hätten.


Viele der Nobelrestaurants in der Gegend sehen äußerlich unbeschädigt aus, ab noch immer sind fast 50.000 Haushalte von der Stromversorgung abgeschnitten. Wer sich von dem überwältigenden Brandgeruch nicht abschrecken lassen will, der findet auf einer eilig eingerichteten Seite einen Überblick, wo er Wein kaufen oder dinieren kann.


Die Hilton Gruppe teilte mit, sie habe sieben Objekte in der betroffenen Region, und alle bis auf eines seien geöffnet und in Betrieb. Vom 250-Zimmer-Luxushotel Hilton Sonoma Wine County in Santa Rosa jedoch ist nicht mehr übrig geblieben als ein rauchender Haufen Schutt und davor eine kleine Steinmauer mit der Aufschrift „Hilton“. Auch die 124-Zimmer-Luxusherberge Fountaingrove Inn in Santa Rosa „ist Opfer der Flammen geworden“, wie Hotelmanager Justin Hayman auf Facebook mitteilte. Alle Gäste seien sicher evakuiert, aber es sei „keinerlei Geschäftsbetrieb mehr möglich“.


Die gewaltige Rauchentwicklung sorgte selbst auf dem Flughafen von San Francisco für Verspätungen von im Schnitt zwei Stunden. Die Sichtweite war einfach zu schlecht und die Flughafenleitung erlaubte nur noch Betrieb mit einer Start- und Landebahn.


Am Mittwochmorgen traf die Evakuierungsanordnung der Polizei das 140 Jahre alte Calistoga am nördlichen Ende des Napa Valleys. Polizeifahrzeuge haben alle Zufahrtsstraßen zu der früheren Bergbaustadt blockiert und lassen niemanden rein, nur noch raus. Zwei der drei Hügel, die die Stadt umgeben, stehen in Flammen und über den Highway 29 ziehen die Autokolonnen nach Süden. Wenn der Wind drehen sollte, könnte alles blitzschnell gehen, ist die Angst. Die Feuerwalze würde die kleine Stadt überrollen.

Wie so etwas aussieht, zeigten am Abend Luftbilder der Nationalgarde vom hart betroffenen Santa Rosa. In der Stadt mit dem Museum für den Erfinder der „Peanuts“-Comics, Charles M. Schultz, ist ein ganzer Stadtteil restlos niedergebrannt. Die Nationalgarde hat 70 Hubschrauber und 30 Tankflugzeuge im Einsatz, die pausenlos Wasser abwerfen. Darunter eine umgebaute Boeing 747, die stärkste Waffee der Feuerbekämpfer in den USA. Aber noch ist das Feuer stärker.

Seite 1:

Feuerhölle im Paradies

Seite 2:

„Keinerlei Geschäftsbetrieb mehr möglich“

Seite 3:

Wie ein Aschenbecher im Mund

Kommentare zu " Unkontrollierbare Großbrände verwüsten Kalifornien: Feuerhölle im Paradies"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Eine mehrjährige Weinknappheit könnte drohen, die sich auf die Preise niederschlagen könnte.
    Der "Hessische Trinkerverband" ist tief beunruhigt ob dieser üblen Botschaft und erwägt Südafrikanischen Wein zu kaufen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%