Unkontrollierbare Großbrände verwüsten Kalifornien
Feuerhölle im Paradies

  • 1

Wie ein Aschenbecher im Mund

Am Boden kämpfen die Einsatzkräfte im wahrsten Sinne des Wortes um jedes Haus. Viele der betroffenen Gegenden sind sehr reiche Wohngegenden mit lockerer Bebauung. Ob sich alleinstehende Villen mit parkähnlichen Gärten und Luxuskarossen in den Doppel und Dreifachgaragen in ausgebrannte Trümmerhaufen verwandeln oder nicht, ist reine Glückssache.

Entweder ist ein Rettungsteam rechtzeitig zur Stelle, oder nicht. Die Formel-1-Strecke Infineon Racetrack hat seine Parkplätze für die Autos der tausenden Feuervertriebenen geöffnet. Auffallend viele SUVs mit Pferdeanhängern sehen wir auf dem Highway 29, es geht Richtung Süden. Wer Tiere hat, gehört offenbar zu den ersten, die den Evakuierungsaufforderungen nachkommen.


Spätfolgen könnten die Monsterbrande für Weinliebhaber auf der ganzen Welt haben. Der Großteil der 2017er Ernte ist zwar eingefahren, aber besonders die kalifornische Cabernet Sauvignon-Traube wird gerne etwas länger hängen gelassen, damit sie im warmen Herbst noch mehr Zucker entwickelt. Diese Trauben, und Ernte, die unter freiem Himmel fermentiert werden, sind in Gefahr den Rauch „einzuatmen“. Das führt zu einem unerwünschtem Beigeschmack wie ein Aschenbecher im Mund. Dieser Teil der Ernte wäre verloren.

Noch ist es allerdings viel zu früh, um zu sagen, wie viel des aktuellen Jahrgangs betroffen ist, betonen Wein-Manger und Experten unisono. Eine wichtige Frage wird sein, wie viel des aktuellen Reben-Bestands tatsächlich vernichtet werden wird. Es dauert bis zu sieben Jahre, bis eine Ersatz-Rebe wieder Trauben liefert. Eine mehrjährige Weinknappheit könnte drohen, die sich auf die Preise niederschlagen könnte.


Aber im Moment haben die Menschen in Nordkalifornien andere Sorgen: „Es wird noch schlimmer werden, bevor es beginnt besser zu werden“, warnt Ken Pimlott, der Chef von Cal Fire. Die Entscheidung fällt immer nachts, wenn die Löschflugzeuge am Boden bleiben müssen. Frischen die Winde auf, war die ganze Arbeit vom Vortag umsonst. Dann fängt alles wieder von vorne an.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
Handelsblatt / Korrespondent

Kommentare zu " Unkontrollierbare Großbrände verwüsten Kalifornien: Feuerhölle im Paradies"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Eine mehrjährige Weinknappheit könnte drohen, die sich auf die Preise niederschlagen könnte.
    Der "Hessische Trinkerverband" ist tief beunruhigt ob dieser üblen Botschaft und erwägt Südafrikanischen Wein zu kaufen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%