Unterbringung von „Katrina“-Opfern
Obdach verzweifelt gesucht

Die US-Katastrophenschutzbehörde sprudelt mittlerweile vor Einfällen: Nichts scheint den Beamten mehr abwegig, wenn es um Quartiere für rund eine Million „Katrina“-Obdachlose geht. Nur planen die Bürokraten bisher konsequent an den Möglichkeiten und Bedürfnissen vorbei.

HB HOUSTON. Die Idee mit den Kreuzfahrtschiffen klang verlockend - aber nicht für die Flutopfer aus New Orleans. "Die Leute haben Angst vor Wasser", sagt der für die Unterbringung im texanischen Houston zuständige Offizier der Küstenwache, Joe Leonard. Von mehr als 4000 angesprochenen Senioren ging bislang kein einziger an Bord der beiden für die kommenden sechs Monate angemieteten Luxusschiffe. Was die Behörden bei der verzweifelten Suche nach Unterkünften für einen blendenden Einfall hielten, entpuppte sich als Flop.

"Bei der Identifizierung von Möglichkeiten einer günstigen Unterbringung haben wir alle Stopp-Zeichen entfernt", sagt der Direktor der Bundesbehörde für Katastrophenmanagement (Fema), Michael Brown. Bevor sich Brown allerdings zu "allen Alternativen einschließlich kreativer Optionen" durchringen konnte, hatte ihm der Bürgermeister von New Orleans, Ray Nagin, die Pistole auf die Brust gesetzt. Wenn die Behörde schon keine Hotelzimmer in der Spielerstadt Las Vegas (Nevada) buchen wolle, dann bezahle er das eben aus eigenen Mitteln, drohte Nagin.

Seitdem sprudelt Browns Katastrophenbehörde förmlich vor Einfällen. Von der kostspieligen Anmietung von Appartements und Häusern über die Unterbringung in Militäreinrichtungen bis hin zur Umwandlung von Eisenbahncontainern zu Minihäusern - nichts scheint den Beamten mehr abwegig, wenn es um Quartiere für rund eine Million Menschen geht, die während des Hurrikans "Katrina" obdachlos geworden sind. Hersteller von Mobilhäusern müssen inzwischen Sonderschichten einlegen, um einen Großauftrag der Regierung abzuarbeiten.

An immer mehr Hotels und Motels in ganz Texas hängt das Schild "ausgebucht", nachdem Fema rund 55 000 Zimmer angemietet hat. Die Beamten appellieren außerdem an das große Herz und die Großzügigkeit der Amerikaner, so viele Flutgeschädigte wie möglich in den eigenen vier Wänden aufzunehmen.

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