Untergang vor Amrum
Die Katastrophe der Pallas

Vor zehn Jahren strandete vor Amrum der Frachter Pallas und verseuchte die Küste mit auslaufendem Öl. Was die Bewohner der Insel neben der Ölpest vor allem aufregte, war das traurige Bild, das die Behörden beim Kampf gegen die Katastrophe abgaben. Noch immer sind nicht alle Lehren aus dem Unglück gezogen.

ap HAMBURG. Bei klarer Sicht ist das Wrack des Holzfrachters „Pallas“ heute noch vom Amrumer Strand aus zu erkennen. Ein massiger 147-Meter-Schiffsrumpf, der langsam im Sand des Wattenmeeres versinkt. Touristen fragen die Einheimischen aber nur noch selten nach der dramatischen Geschichte des Havaristen, die vor zehn Jahren ganz Deutschland fesselte: Im Sturm auf der Nordsee geriet der Frachter im Oktober 1998 in Brand, die Besatzung musste von Bord, das Schiff trieb brennend auf die deutsche Küste zu, strandete vor Amrum, zerbrach und verseuchte zehntausende Meeresvögel mit auslaufendem Öl.

Was die Menschen vor den Bildschirmen, aber auch die Bewohner von Amrum und der ganzen Nordseeküste aber wirklich aufregte, war das traurige Bild, das die Behörden beim Kampf gegen die Katastrophe abgaben: Kompetenzwirrwarr, unprofessionelles Vorgehen, Ignoranz zwischen den beteiligten Staaten Deutschland und Dänemark und Mutlosigkeit in der Politik prägten nach Ansicht vieler Kritiker damals das Bild.

Das war passiert: Am 25. Oktober brach in stürmischer See auf dem mit Holz beladenen italienischen Frachter „Pallas“ etwa 100 Kilometer vor der dänischen Küste ein Feuer aus. Die 17-köpfige Besatzung sprang von Bord und wurde aus der Luft gerettet, ein Matrose kam ums Leben. An Bord befanden sich neben der brennenden Holzladung 600 Tonnen Schweröl und 150 Tonnen Diesel. Später stellte das deutsche Seeamt fest, dass die Besatzung bei der Brandbekämpfung Fehler machte, und weitere Fehler beim Beladen fachten das Feuer noch an. Die zunächst zuständigen dänischen Behörden informierten ihre deutschen Kollegen spät.

Am 26. Oktober wurden die deutschen Mehrzweckschiffe „Neuwerk“ und „Mellum“ zum Havaristen beordert, der im Sturm auf die deutsche Küste zutriebt. Alle Schleppversuche scheiterten. Am 29. Oktober strandete der Frachter vor Amrum. Weitere Schleppversuche scheiterten, das Schiff zerbrach, brannte aber weiter. Öl lief aus und erreichte am 8. November die Küste. Einen Tag später wurden 1 000 ölverschmierte Vögel entdeckt.

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