Unternehmen am Zoch: Kommerz, Kostüme und Kamelle

Unternehmen am Zoch
Kommerz, Kostüme und Kamelle

11.11 Uhr: Die Jecken stürmen die Rathäuser – und die Wirtschaft das Mega-Event. Firmen nutzen den Karneval, um ihre Werbebotschaften an ein Millionenpublikum zu bringen. Dabei steigen die Kosten für die Veranstalter.
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DüsseldorfDer Geruch von abgefeuerten Knallpistolen liegt in der Luft, zwei Mönche grölen Arm in Arm Höhner-Songs und eine Prinzessin hält einem Engel, der zu tief ins Glas geschaut hat, die Haare. In den Hochburgen Köln, Düsseldorf und Mainz heißt das, was gerade passiert Karneval, anderorts spricht man auch von Fasching oder Fastnacht.

Dabei geht es um mehr als alkoholgeschwängerte Luft, irre Kleider und Kamelle. Auf die „fünfte Jahreszeit“ fiebern nicht nur die Feierwütigen hin. Auch im Kalender der Wirtschaft ist sie eine feste Größe. Denn wenn die heiße Phase eingeläutet wird, profitiert nicht nur die Gastronomie vom jecken Treiben.

Der deutsche Karneval ist längst über das Stadium der Brauchtumspflege hinaus. Er ist ein Mega-Event. Die Boston Consulting Group beziffert allein die Wirtschaftskraft des Kölner Karnevals mit 460 Millionen Euro. In einem Wirtschaftsgutachten des Comitees Düsseldorfer Carneval (CDC) ist von einer Wertschöpfung von bis zu 300 Millionen Euro die Rede.

Doch auch wenn ein Großteil des Geschäfts in den beiden Hochburgen Köln und Düsseldorf gemacht wird: Karneval ist längst nicht mehr nur im Rheinland ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Den bundesweiten Umsatz schätzte die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) in einer Studie für den Bund Deutscher Karneval auf 1,4 Milliarden Euro.

Im Jahr 2011 fielen rund 300 Millionen Euro allein auf die Einzelhandels-Umsätze mit Kostümen und Accessoires. 6,7 Millionen Schminksets, 2,15 Millionen Hüte, eine Millionen Perücken sowie 2,4 Millionen Erwachsenen- und 1,9 Millionen Kinderkostüme gingen in dieser Saison über die Ladentheke, wie die Fachgruppe Karneval im Deutschen Verband der Spielwaren-Industrie bekanntgab.

Karneval zieht die Mengen auf die Straßen – und bietet Unternehmen ein Millionenpublikum für ihre Werbebotschaft. Eine attraktive Reklamefläche ist in der Fastnachtzeit schon für vergleichsweise kleines Geld zu haben. Für 30.000 Euro können Firmen beim CDC ein Sponsoring-Paket erwerben, zu dem auch ein Werbewagen des Rosenmontagzuges gehört. Wer es lieber ein paar Nummern kleiner mag, kann ganz klassisch Wurfmaterial beisteuern.

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