Unternehmen unter Druck
Die Macht der Marke Peta

Eine Tierschutzorganisation gewinnt an Einfluss: Peta setzt Unternehmen immer öffentlichkeitswirksamer unter Druck. Das jüngste Beispiel: Obi. Es dürften weitere folgen. Wie Peta zu Macht kommt – und was das bedeutet.
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DüsseldorfDass es so schnell gehen würde, hat Edmund Haferbeck nicht erwartet. Sieben Tage genügten. Dann haben sie das Video aus dem Netz genommen. „Wegen des erfolgreichen Abschlusses der Kampagne“, sagt der Leiter der Wissenschafts- und Rechtsabteilung von Peta in Deutschland. „Für OBI werden Tiere gequält! Bitte jetzt aktiv werden auf PETA.de/OBI. Peta stoppt Tierquälerei“, mit dieser Schlagzeile endet der Film, der eine Minute und 20 Sekunden lang ist, Bilder von kranken und toten Tieren auf engstem Raum zeigt – und eine enorme Wirkung entfaltet hat: 50.000 Menschen sind vom 29. Juli bis 4. August 2015 auf diesen Aufruf eingegangen – dann hat Obi reagiert.

„Aufgrund der aktuellen Kampagne von Peta möchte Obi klarstellen, dass wir den Verkauf von Kleintieren in Baumärkten nicht unterstützen“, teilte der Baumarkt mit. Obi setze auf ein anderes Kerngeschäft, weshalb sich die Unternehmenszentrale bereits vor Jahren dazu entschlossen habe, keine Kleintiere mehr zu verkaufen. Allerdings werden bisher in 15 von Franchisepartnern geführten Obi-Märkten in Deutschland „die betroffenen Kleintiere aktuell noch verkauft“.

Noch. Denn damit will Obi jetzt Schluss machen. „Die aktuellen Ereignisse haben uns veranlasst, den Ausstieg aus dem Verkauf von Kleintieren für das gesamte Unternehmen festzulegen, das heißt auch für sämtliche von Franchisepartnern geführte Obi-Märkte“, schreibt das Unternehmen.

Wie schnell das geschehen wird, ist noch offen. „Über den möglichen Ablauf sprechen wir gerade mit den betroffenen Franchise-Partnern“, hieß es gegenüber dem Handelsblatt. Obi wünsche sich, „dass es schnell und im Sinne der Tiere geschieht“. Aber einen „konkreten Maßnahmenplan und auch die einzelnen Franchisepartner“ könne Obi nicht nennen.

Das aktuelle Beispiel ist ein weiterer Beleg dafür, wie gewaltig die Tierschützer zuletzt an Einfluss gewonnen haben. Hinter dem 1993 gegründeten deutschen Verein, der sich selbst als „Schwesterorganisation von Peta USA“ bezeichnet, steht längst ein professionelles Team von etwa 50 festangestellten Mitarbeitern in der Zentrale in Stuttgart sowie in Berlin. 65.000 Fördermitglieder, die jährlich einen Mindestbeitrag von 60 Euro, Geringverdiener von 30 Euro zahlen, werden im aktuellen Wirtschaftsjahr für vier Millionen Euro Spendengelder sorgen, heißt es bei Peta Deutschland. Und Peta USA habe im letzten Wirtschaftsjahr Einnahmen in Höhe von $51 Millionen gehabt und mehr als 3,3 Millionen Facebook-Freunde. Die Tierschützer sind in einem Dutzend Ländern aktiv, neben den USA und Deutschland unter anderem in Frankreich.

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  • Liebes Handelsblatt, Liebe Autoren,

    bitte sprechen Sie im Zusammenhang mit PETA doch nicht von Tierschützern sondern von Tierrechtlern, wie sich PETA auch selbst bezeichnet.
    Da gibt es massive Unterschiede und die Interessen der Tierrechtler haben mit Tierschutz oft rein gar nichts zu tun.
    PETA geht es u.a. um die Abschaffung der Heimtierhaltung. Obi ist dabei nur ein kleines Puzzleteil. Jetzt ist Obi mit Kleintieren im Fokus oder man schießt ständig auf die Terraristik als vermeintlich schwächstes Glied. Als nächstes kommt dann die Aquaristik und am Ende stehen Hund und Katze. Für den eigentlich Tierschutz, wie ihn Tierheime tag täglich betreiben, tun PETA und Co. ohnehin nichts. Vielmehr möchte man, dass unsere Kinder ohne den Kontakt zu Tieren aufwachsen (Zoos sind ja auch böse, einzig die Freiheit ist gut) und so noch mehr den Bezug zur Natur verlieren.
    Hier versucht eine Minderheit ihren ideologischen Mist der Allgemeinheit aufzudrücken und belegbare, wissenschaftliche Fakten ist denen völlig egal.

    Der Hohn daran ist, dass die meisten Tiere sicherlich das sichere Leben in Gefangenschaft mit Vollpension dem gefährlichen Leben in Freiheit vorziehen würden. Aber das Freiheit oder Tod besser als Gefangenschaft sind, kann man ja in Sachen PETA nachlesen.

    Mit einem haben Sie aber sicherlich recht, die Marketingmaschinerie von PETA muss von Unternehmen ernst genommen werden. Man sollte nur nicht der Versuchen erliegen, sich dieser Ideologie zu beugen.

  • Es wird auch allerhöchste Zeit, dass der Einfluss nicht bei kapitalkräftigen Unternehmen liegt, oder der Wirtschaft und den Märkten folgsamen Politik. Denn dann geht die Welt den Bach runter. Organisationen wie PETA repräsentieren das grüne Gewissen der Menschheit, das bei Unternehmen gar nicht und bei Politikern kaum vorhanden ist. Um unser aller Zukunft Willen ist es wichtig, dass PETA & Co an Einfluss gewinnen.

  • Offensichtlich haben Sie so einiges übersehen, Herr Meier, gerade PETA ist weltweit gegen das Schächten aktiv - und es ist uns egal, wer hinter Schächtunternehmen steht und wer nicht, es geht PETA ausschließlich um die Tiere, eine kleine Auswahl:
    http://www.veganblog.de/2014/07/02/schaecht-schlachthof-asslar-aufgegeben/
    Folgende Erfolgsmeldung auf der Seite www.peta.de/erfolge:
    Braunschweig: Strafbefehl und Anklageschrift gegen Schlachthof-Betreiber
    Juli 2015 - Im November 2013 erstattete PETA Strafanzeige gegen zwei Betreiber eines Schlachthofes bei Braunschweig. Der Tierrechtsorganisation war ein Video zugespielt worden, auf dem eindeutig zu sehen war, wie Schafe ohne Betäubung geschächtet wurden. Dabei handelte der Betrieb ohne Genehmigung. PETA schaltete auch das Landwirtschaftsministerium ein. Nach fast zweijährigen Ermittlungen und weiterer Zuarbeit durch PETA hat die Staatsanwaltschaft Braunschweig im Mai 2015 Anklage gegen einen der Beschuldigten erhoben (Az.: NZS 123 Js 51131/13). Der gegen den zweiten Beschuldigten beantragte Strafbefehl wegen Tierquälerei wurde im Juli 2015 rechtskräftig; es wurde eine Geldstrafe von 450 Euro verhängt. (Az.: NZS 123 Js 25116/15)
    http://www.peta.org/features/agriprocessors/

    Ich könnte die Reihe fortsetzen.

    Doch in deutschen Schlachthöfen werden eine zweistellige Millionenanzahl Tiere nicht ordnungsgemäß betäubt und landen bei Bewusstsein in den Schlachtprozeß - auch das ist eine Tatsache, die man in Relation stellen muss - und alles verursacht durch Fleischesser, die nicht nur eine unendliche Tierquälerei verursachen, sondern mit zur weltweiten ökologischen Umwelt- und Klimakatsstrophe beitragen.

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