Unternehmerin kündigte Widerstand an
Experten rechnen mit Haftstrafe für Stewart

Die US-Unternehmerin Martha Stewart muss wohl ins Gefängnis. Das Belügen von Ermittlern wird von Experten als «besonders schwer» bewertet. Ein Geschworenengericht hatte das «Hausfrauenidol» der Verschwörung, Falschaussage und Behinderung der Justiz für schuldig befunden.

HB BERLIN. Der von einem US-Geschworenengericht für schuldig befundene US-Medienstar Martha Stewart muss wahrscheinlich ins Gefängnis. Nach Ansicht des auf Betrugsfälle spezialisierten Houstoner Anwalts Thomas Ajamie wiegt besonders schwer, dass Stewart Ermittler belog. Diesen Vorwurf nähmen die Bundesrichter «sehr ernst», sagte Ajamie der Nachrichtenagentur AFP. Er rechne daher damit, dass die Unternehmerin für eine bestimmte Zeit hinter Gitter müsse.

Indes wies Staatsanwalt David Kelly Vorwürfe von Fans des «Hausfrauenidols» zurück, die Unternehmerin werde wegen ihrer Popularität besonders streng behandelt. Opfer sei keinesfalls Stewart, sondern die gesamte amerikanische Öffentlichkeit, die auf die «Integrität unseres Systems» vertraue. Die Anleger müssten ihr Geld sicher investieren können, sagte Kelly. Stewart werde genauso behandelt wie jeder andere Angeklagte auch.

Martha Stewart war am Freitag der Verschwörung, Falschaussage und Behinderung der Justiz für schuldig befunden worden. In allen Anklagepunkten drohen je fünf Jahre Haft und eine Geldstrafe von 250.000 Dollar. Das Urteil wurde am Freitag nach dreitägigen Beratungen der Geschworenen gesprochen.

Jurymitglied Chappell Hartridge sagte Reportern, die Jury sei sich schnell einig gewesen. Die «Ungereimtheiten» in Stewarts Geschichte hätten die Geschworenen schnell von ihrer Schuld überzeugt. Das Strafmaß soll am 17. Juni verkündet werden. Bis dahin bleibt Stewart auf freiem Fuß. Der ebenfalls angeklagte ehemalige Börsenmakler Stewarts wurde der Verschwörung, des Meineids und der Behinderung der Justiz für schuldig befunden.

Die Unternehmerin hat unmittelbar nach dem gegen sie verkündeten Urteil angekündigt, dass sie die Entscheidung anfechten will. Auf ihrer Homepage erklärte sie, sie sei enttäuscht über das Urteil, dennoch wisse sie, dass sie nichts falsches getan habe und dass sie die Unterstützung ihrer Familie habe. Sie werde dafür kämpfen, ihren guten Ruf zu retten. Da sie Vertrauen habe in die Gerechtigkeit des Justizsystems sei sie zuversichtlich, dass sie siegen werde.

Stewart hatte in den 90er Jahren als «Hausfrauenidol» Milliarden Dollar mit Kochsendungen verdient. Im Dezember 2001 hatte sie insgesamt 3928 Aktien des Pharmakonzerns Imclone verkauft, unmittelbar bevor die US-Behörde FDA dem Imclone-Medikament Erbitux die Zulassung verweigerte. Daraufhin war der Aktienkurs eingebrochen. Laut Anklage belog Stewart in diesem Zusammenhang Aktionäre und die Börsenaufsicht.

Vor gut einer Woche war der Anklagepunkt wegen Wertpapierbetrugs aus Mangel an Beweisen fallen gelassen worden. Damit war die schwerwiegendste der Anschuldigungen gegen Stewart abgelehnt worden. Stewart hatte vor Gericht ihre Unschuld beteuert und war vom Vorsitz ihres Medienimperiums Martha Stewart Living Omnimedia zurückgetreten.

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