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Untersuchung: Eingestürztes Haus in Bangladesch schlecht gebaut

Das Baumaterial war schlecht, Vorschriften wurden missachtet. Das ermittelte eine Kommission als Gründe für den Einsturz des Rana Plaza in Bangladesch. Italiens Modegruppe Benetton will den Opfern jetzt helfen.

Aufräumarbeiten in Dhaka: Das eingestürzte Gebäude war schlecht gebaut. Quelle: dpa
Aufräumarbeiten in Dhaka: Das eingestürzte Gebäude war schlecht gebaut. Quelle: dpa

DhakaMangelhaftes Baumaterial und schwere Geräte in den oberen Stockwerken haben den Einsturz des Gebäudes Rana Plaza vor einem Monat in Bangladesch verursacht. Dabei waren 1127 Menschen gestorben und fast 2500 weitere verletzt worden. Außerdem habe der Besitzer gegen Bauvorschriften verstoßen, weil er Fabriken oberhalb eines Einkaufszentrums unterbrachte, berichtete eine von der Regierung eingesetzte Kommission am späten Mittwochabend in Dhaka.

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Die meisten Todesopfer des Unglücks waren Frauen, die in den fünf Betrieben in den oberen Stockwerken in Textilfabriken arbeiteten. Überlebende berichteten, die Fabrikbesitzer hätten sie zum Arbeiten gezwungen, obwohl das Gebäude am Vortag schon Risse aufwies und Beamte vor dem Betreten gewarnt hatten. Der Hauseigentümer soll den Mietern gesagt haben, das Gebäude sei von Technikern untersucht worden und sicher. Der Besitzer, die meisten der Fabrikbetreiber und die verantwortlichen Inspektoren sind inzwischen im Gefängnis.

Textilproduktion und die Verantwortung des Verbrauchers

  • Woher kommt die Kleidung, die in Deutschland über den Ladentisch wandert?

    „Das meiste, was hier verkauft wird, kommt aus Asien“, sagt der Hauptgeschäftsführer des Modeverbands GermanFashion, Thomas Rasch. Nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes importierte Deutschland im vergangenen Jahr mehr als 1,17 Millionen Tonnen Bekleidung im Wert von fast 25,8 Milliarden Euro aus 130 Ländern. Etwa ein Drittel kam aus China, mit etwas Abstand folgen Bangladesch, die Türkei und Indien. Kleidung, die über die Niederlande, Italien und Frankreich eingeführt werde, komme oft auch aus Niedriglohnländern, sagt Rasch.

  • Unter welchen Bedingungen arbeiten die Näherinnen?

    Viele Näherinnen bekommen nach Informationen der Kampagne für Saubere Kleidung (CCC) nicht genug Geld, um sich und ihre Familien ausreichend zu ernähren. „Der Lohn reicht nicht aus, um ein Leben in Würde zu führen“, sagt CCC-Expertin Kirsten Clodius. Dazu kämen sehr lange Arbeitszeiten und Sicherheitsmängel wie vergitterte Fenster und verriegelte Notausgänge. Fabrikbesitzer verböten den Näherinnen oft das Reden und kontrollierten Toilettengänge. In Kambodscha habe es sogar Massen-Ohnmachtsanfälle gegeben. Menschenrechtler und Umweltschützer warnen zudem vor womöglich giftigen Farben und Kinderarbeit.

  • Muss man ein schlechtes Gewissen haben, billige Kleidung zu kaufen? Oder lassen auch teurere Marken in diesen Fabriken nähen?

    Auch hochpreisige Kleidung wird oft in Asien genäht. „Der Verkaufspreis eines T-Shirts bei uns gibt keinen Aufschluss darüber, wo es hergestellt ist“, sagt Clodius. In einer Fabrik werde oft für mehrere Auftraggeber gearbeitet. Darunter seien auch hochwertige Markenhersteller, räumt auch Rasch ein. Diese Markenhersteller machen ein besonders gutes Geschäft: Die Kampagne für Saubere Kleidung rechnet damit, dass die Lohnkosten einer in Asien genähten 100-Euro-Jeans bei nur einem Euro liegen. Die Werbung mache 25 Euro aus, satte 50 Euro stecke der Handel ein.

  • Würde es den Näherinnen helfen, wenn Kleidung aus Asien boykottiert würde?

    Nein. Die Näherinnen hätten ihre Organisation selbst darum gebeten, keine Boykottaufrufe zu starten, berichtet Clodius. Sie hätten Angst, ihre Arbeitsplätze zu verlieren. Laut Rasch könnte ein Boykott in Bangladesch 70 Prozent der Textil-Industrie zusammenbrechen lassen.

  • Wer kann dann dafür sorgen, dass die Textilproduktion sicherer und menschenfreundlicher wird?

    Darüber gibt es Streit. Der Modeverband sieht Produktionschefs und Politiker in den Herstellerländern in der Pflicht. Hier herrsche viel zu oft „ein Raubtierkapitalismus“, sagt Rasch. Auch Kunden aus Deutschland könnten helfen: „Ich darf keine Jeans für 9,90 Euro kaufen!“ Diese Preise seien mit normalen Arbeitsbedingungen nicht zu erreichen. Die Kampagne für Saubere Kleidung hält dagegen, dass auch hochpreisige Kleidung in den asiatischen Fabriken produziert werden. Die Unternehmen dürften sich nicht dahinter verstecken, dass sie lediglich Auftrag- und nicht Arbeitgeber seien. Die Gewerkschaft Verdi will mit ihrer Initiative „exchains“ über Gewerkschaften und Arbeitssicherheit aufklären.

  • Wie viel mehr würde ein Kleidungsstück kosten, wenn angemessene Löhne bezahlt würden?

    Nach Verdi-Berechnungen würden ein T-Shirt oder eine Bluse nur 12 Cent mehr kosten, wenn deutsche Textilhändler in ihrer Kalkulation für jede Näherin im Monat 50 Euro mehr berücksichtigen würden. Damit würden viele Arbeiter etwa doppelt so viel verdienen wie jetzt. Rasch gibt aber zu bedenken, dass es das Lohngefüge im Land durcheinanderbringen könne, wenn nur die Näherinnen, nicht aber Bauern oder Rikscha-Fahrer plötzlich mehr Geld bekämen.

  • Wie lassen sich besser produzierte T-Shirts erkennen?

    Es gibt für Mode kein einheitliches Siegel, das sowohl Umwelt- als auch Arbeitsstandards zusammenfasst. Ein grünes Label mit weißem Hemd steht für „Global Organic Textile Standard“ (GOTS) - zu den Kriterien gehören das Verbot von Zwangs- und Kinderarbeit sowie die Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz. Ein rot-weißes Label mit dem Aufdruck „IVN zertifiziert NATURTEXTIL“ findet sich auf Kleidung aus Naturfasern wie Baumwolle, Leinen und Seide. Es steht auch für die Einhaltung von Sozialstandards am Arbeitsplatz und die Einhaltung geregelter Arbeitszeiten. Auch das Öko-Zeichen „Textiles Vertrauen nach Oeko-Tex Standard 100plus“ steht mit für die Einhaltung von Sozialkriterien.

Die Kommission empfahl, gegen den Eigentümer des Hauses und die Fabrikbetreiber wegen fahrlässiger Tötung zu ermitteln. Darauf steht lebenslange Haft. Die Zementmischung sei minderwertig gewesen und die Qualität der Eisenstangen schlecht, heißt es. Der Grund für die Katastrophe sei Fahrlässigkeit, sagte Mainuddin Khandaker, der Chef des fünfköpfigen Untersuchungsteams.

Unterdessen hat die italienische Mode- und Bekleidungsgruppe Benetton mitgeteilt, über die lokale Hilfsorganisation Brac Opfern des Unfalls medizinische Hilfe und finanzielle Unterstützung zukommen zu lassen. Zunächst gehe es dabei vor allem darum, künstliche Gliedmaße und Operationen für Verwundete zu finanzieren, erklärte Benetton-Chef Biagio Chiarolanza. Langfristig solle dann aber auch den Familien geholfen werden, die durch den Einsturz ihre einzige Einnahmequelle verloren hätten. Chiarolanza hatte vor zwei Wochen in einem Interview gesagt, Benetton habe von Dezember 2012 bis Januar 2013 über Zulieferer etwa 200.000 Hemden aus der Fabrik bezogen.

  • 25.05.2013, 06:26 UhrWolfsfreund

    Es waren also *nicht* die bösen Mode-Discounter schuld, sondern es war schlicht und ergreifend ein massiver Verstoß gegen lokale Bau- und Nutzungsvorschriften in Bangladesh, der hoffentlich entsprechende, juristische Folgen nach sich zieht.

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