Untersuchung
Eingestürztes Haus in Bangladesch schlecht gebaut

Das Baumaterial war schlecht, Vorschriften wurden missachtet. Das ermittelte eine Kommission als Gründe für den Einsturz des Rana Plaza in Bangladesch. Italiens Modegruppe Benetton will den Opfern jetzt helfen.
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DhakaMangelhaftes Baumaterial und schwere Geräte in den oberen Stockwerken haben den Einsturz des Gebäudes Rana Plaza vor einem Monat in Bangladesch verursacht. Dabei waren 1127 Menschen gestorben und fast 2500 weitere verletzt worden. Außerdem habe der Besitzer gegen Bauvorschriften verstoßen, weil er Fabriken oberhalb eines Einkaufszentrums unterbrachte, berichtete eine von der Regierung eingesetzte Kommission am späten Mittwochabend in Dhaka.

Die meisten Todesopfer des Unglücks waren Frauen, die in den fünf Betrieben in den oberen Stockwerken in Textilfabriken arbeiteten. Überlebende berichteten, die Fabrikbesitzer hätten sie zum Arbeiten gezwungen, obwohl das Gebäude am Vortag schon Risse aufwies und Beamte vor dem Betreten gewarnt hatten. Der Hauseigentümer soll den Mietern gesagt haben, das Gebäude sei von Technikern untersucht worden und sicher. Der Besitzer, die meisten der Fabrikbetreiber und die verantwortlichen Inspektoren sind inzwischen im Gefängnis.

Die Kommission empfahl, gegen den Eigentümer des Hauses und die Fabrikbetreiber wegen fahrlässiger Tötung zu ermitteln. Darauf steht lebenslange Haft. Die Zementmischung sei minderwertig gewesen und die Qualität der Eisenstangen schlecht, heißt es. Der Grund für die Katastrophe sei Fahrlässigkeit, sagte Mainuddin Khandaker, der Chef des fünfköpfigen Untersuchungsteams.

Unterdessen hat die italienische Mode- und Bekleidungsgruppe Benetton mitgeteilt, über die lokale Hilfsorganisation Brac Opfern des Unfalls medizinische Hilfe und finanzielle Unterstützung zukommen zu lassen. Zunächst gehe es dabei vor allem darum, künstliche Gliedmaße und Operationen für Verwundete zu finanzieren, erklärte Benetton-Chef Biagio Chiarolanza. Langfristig solle dann aber auch den Familien geholfen werden, die durch den Einsturz ihre einzige Einnahmequelle verloren hätten. Chiarolanza hatte vor zwei Wochen in einem Interview gesagt, Benetton habe von Dezember 2012 bis Januar 2013 über Zulieferer etwa 200.000 Hemden aus der Fabrik bezogen.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Es waren also *nicht* die bösen Mode-Discounter schuld, sondern es war schlicht und ergreifend ein massiver Verstoß gegen lokale Bau- und Nutzungsvorschriften in Bangladesh, der hoffentlich entsprechende, juristische Folgen nach sich zieht.

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