Unterwegs mit dem Wasserflugzeug
Australien als Quickie

Australier machen ungern eine große Welle, in der englisch geprägten Kultur ist eher Understatement angesagt. Es sei denn, man ist Pilot bei Sydney Seaplanes. Schneller als mit deren Wasserflugzeugen lässt sich Down Under kaum bereisen.

Wenn Adam Holt die Schnauze seines Amphibien-Flugzeugs in Sydneys Rose Bay in den Wind dreht und Gas gibt, entsteht durchaus eine eindrucksvolle Bugwelle. Kaum baut sie sich auf, weichen die Gespräche der Passagiere gespanntem Schweigen: Es ist schier unglaublich, dass so eine Kiste mit maximal neun Passagieren tatsächlich den Hintern aus dem Wasser bekommt. Doch die Cessna Caravan 208 beschleunigt unbeeindruckt von ihrer zweifelnden Fracht, rumpelt über die flache See der geschützten Bucht und hebt schließlich ab ins Blaue.

Azur ist nicht nur der Himmel über Sydney, wo an 300 Tagen im Jahr die Sonne scheint, sondern auch der Sydney Harbour, einer der größten Naturhäfen der Welt, der Australiens Metropole zu dem Ruf verhalf, eine der schönsten Städte überhaupt zu sein. Da ist was dran, unten entfaltet das berühmte Opernhaus seine Segel, und die Harbour Bridge überspannt private Mega-Yachten genauso wie die öffentlichen Fähren, die in Sydney so regelmäßig verkehren wie in deutschen Städten die Buslinien.

Kaum hat der Flieger besichtigungsfreundliche 2 500 Meter Flughöhe erreicht, schwenkt Pilot Adam nach links, bis die Kompassnadel genau nach Norden zeigt. Ziel ist das Hunter Valley, das älteste Weinanbaugebiet Australiens. Schon seit 1830 stehen hier Reben in südlicher Sonne. Aber zunächst geht es an der Küste entlang, wo sich dramatische Klippen mit Traumstränden abwechseln, an denen außer Nicole Kidman auch alle anderen eine Villa besitzen, die es in diesem Land geschafft haben.

Links glitzert der Lake Macquarie, auf dem Boote liegen wie mit dem Pinsel hineingetupft, rechts ziehen tatsächlich Bartenwale. Im Oktober und November wandern sie an der Küste entlang nach Süden, Richtung Antarktis, wo ihre Fressgründe warten, im Juni und Juli geht's zurück nach Norden. Nach 25 Minuten Flugzeit kommen auf dem Meer plötzlich jede Menge Containerschiffe in Sicht. Sie steuern Newcastle an, den größten kohleexportierenden Hafen der Welt. Doch unsere Cessna dreht ab und zieht westlich weiter landeinwärts Richtung Cessnock, der winzigen Hauptstadt des Hunter Valley. Der Wunderflieger kann nämlich beides: nasse und trockene Landungen.

Wieder auf dem Boden, stehen für den Passagier dramatische Entscheidungen an: entweder die Weintour oder lieber eine Runde Golf? Im Hunter Valley gibt es heute 74 Weingüter, von denen viele schon in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstanden. International bekannte Marken wie Wyndham und Penfolds nahmen hier ihren Anfang, auch wenn sich der in den frühen Tagen produzierte Wein bestenfalls zur Fabrikation von Salatsoße eignete.

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