Unwetter in Europa
5 000 Tote durch Hitzewelle in Frankreich

Die extreme Hitzewelle in Frankreich in den ersten beiden Augustwochen hat wahrscheinlich 5 000 Menschen das Leben gekostet. Diese Zahl sei „eine Hypothese“, jedoch „plausibel“, sagte Gesundheitsminister Jean-François Mattei am Montag im Rundfunksender RTL.

HB/dpa PARIS/BARCELON. Die Gesundheitsdienste hätten „nicht rechtzeitig auf die Auswirkungen der Hitze aufmerksam gemacht“. Bislang war die Regierung von 3 000 Todesfällen ausgegangen.

Auf Hitze und Waldbrände folgten in weiten Teilen Mittel- und Südeuropas Gewitter, Hagel und Regenstürme. Im Südosten Frankreichs waren über 10 000 Haushalte ohne Strom. Der Zugverkehr zwischen Grenoble, Marseille und Lyon war durch umgestürzte Bäume und beschädigte Oberleitungen zeitweise unterbrochen. Ein junger Mann ertrank in einem See, nachdem eine Böe sein Boot zum Kentern gebracht hatte.

Im Nordosten Spaniens deckten schwere Stürme in mehreren Dörfern bei Barcelona Dächer ab und entwurzelten Bäume. 6 000 Menschen waren zeitweise ohne Strom, nachdem Hochspannungsmasten umgestürzt waren. Die Kleinstadt Alcañiz in der Provinz Teruel stellte bei der Regierung den Antrag, zum Katastrophengebiet erklärt zu werden. Auf den Ort mit 15 000 Einwohnern waren Hagelkörner niedergeprasselt, die so dick wie Golfbälle waren. „Alle Dächer der Stadt sind beschädigt“, sagte Bürgermeister Carlos Abril. „Kein einziges Gebäude hat ein intaktes Dach.“

In der Schweiz richtete ein Sturm mit einer Spitzengeschwindigkeit von 125 Kilometern pro Stunde im Raum Genf erhebliche Schäden an. Die Feuerwehr musste mehr als 120 Mal ausrücken, weil Bäume entwurzelt und Dächer beschädigt wurden. Auf dem Genfer See gerieten zehn Schiffe in Seenot, weitere wurden losgerissen.

In Frankreich musste sich der Gesundheitsminister wegen der Zahl der Hitzetoten gegen scharfe Angriffe und Rücktrittsforderungen der Opposition zur Wehr setzen. Sozialisten und Grüne hatten der Regierung eine verspätete und unzureichende Reaktion vorgeworfen, zumal die Hitze in Nachbarländern wie Deutschland, Großbritannien und Italien keine derart tödlichen Auswirkungen gehabt hatte. Der Präsident des französischen Roten Kreuzes, Marc Gentilini, forderte als Vorbeugemaßnahme die Einrichtung von Klima-Anlagen in Altersheimen.

Bei Paris wurde in einer ausgedienten Großmarkt-Halle die größte Leichenhalle Frankreichs eingerichtet, die bis zu 2 000 Leichen aufnehmen kann. Bis Dienstag sollen in der 4 000 Quadratmeter großen, gekühlten Halle mit Feldbetten des Zivilschutzes bis zu 700 Verstorbene aufgenommen werden.

Auch in Italien starben Presseberichten zufolge hunderte alte und kranke Menschen an den Folgen der Hitzewelle. In Städten wie Genua, Mailand, Turin und Rom sei die Todesrate der über 65-Jährigen seit Anfang August deutlich höher als im Durchschnitt. In Genua etwa seien im vergangenen Jahr in den ersten zwei Augustwochen 426 Alte gestorben, dieses Jahr aber 613, berichtet die römische Zeitung „La Repubblica“. Offizielle Zahlen zu dieser Entwicklung gebe es nicht.

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