„Unwort des Jahres“
Von „Aversionsakte“ bis „Präventionsstaat“

Die Suche nach dem „Unwort des Jahres“ läuft auf Hochtouren. Mehr als 1 400 Einsender hätten sich bislang beteiligt, sagte der Initiator des Wettbewerbs, der Frankfurter Sprachwissenschaftler Horst Dieter Schlosser, in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa.

dpa FRANKFURT/MAIN. „Herdprämie ist einer der häufigsten Vorschläge.“ Die Wortschöpfung beleidige Mütter, die ihre Kinder zu Hause erziehen wollten. Allerdings gehöre sie genauso wie der oft genannte Begriff „Klimakatastrophe“ bereits zu den „Wörtern des Jahres“. Vorschläge können noch bis 7. Januar eingereicht werden. Am 15. Januar wird das „Unwort des Jahres“ 2007 in Frankfurt bekanntgegeben.

Zu den bisher eingegangenen Vorschlägen gehören laut Schlosser „Klimaneutrale Flüge“, „Hausaufgabenclub“, „Mumienpornografie“, „Präventionsstaat“ sowie „Patientenmanager“ für einen Arzt. Außerdem wurden Begriffe vorgeschlagen, bei denen das „Unwort“ in der Summe mehrerer Wörter liege. Als Beispiele nannte der emeritierte Professor „rechtssicheres Nachtflugverbot“, „freiwillige Wehrpflicht“ und „geplanter Amoklauf“.

„Unwort“-verdächtig sei auch der „Bundestrojaner“ als „Umschreibung für amtliche Viren in privaten Computern für Online- Durchsuchungen“. Schlosser selbst ist der Begriff „Aversionsakte“ aufgefallen, den Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Wolfgang Böhmer (CDU) nach der Hetzjagd auf Inder im sächsischen Mügeln gebraucht hatte. „Aversionen kann man gegen viel haben, aber deshalb hetzt man nicht die Menschen durch die Straßen und verprügelt sie.“ Böhmer hatte im selben Zeitungsinterview auch von einer „fremdenunfreundlichen Grundstimmung“ bei einem Teil der ostdeutschen Bevölkerung gesprochen.

Gesucht werden sprachliche Missgriffe, die sachlich grob unangemessen sind und möglicherweise sogar die Menschenwürde verletzen. Die Häufigkeit einer Einsendung soll dabei unerheblich sein. Ausschlaggebend für die Wahl der sechs Juroren sei vielmehr ein besonders krasses Missverhältnis zwischen Wort und Sache.

Die unabhängige Jury setzt sich aus vier Wissenschaftlern und ein bis zwei wechselnden Vertretern der Sprachpraxis zusammen. In diesem Jahr sind das die Journalisten Sonia Mikich („Monitor“) und Hans Leyendecker („Süddeutsche Zeitung“). Für 2006 war „freiwillige Ausreise“ gewählt worden.

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