Ureinwohner in Australien: Echsen essen, Fledermäuse vergessen

Ureinwohner in Australien
Echsen essen, Fledermäuse vergessen

Die Kultur der Aborigines war die erste auf dem australischen Kontinent. Heute versinkt die Volksgruppe in Zivilisationsproblemen wie Krankheit und Kriminalität. Australiens neue Regierung sucht nun nach Wegen, die katastrophalen Lebensumstände der Ureinwohner zu verbessern. Tourismus heißt dabei einer der Lösungsansätze.

BROOME. Neville Poelina liebt Überraschungen. „Jetzt gehen wir in den Supermarkt“, sagt er. Seine Gäste wundern sich und stöhnen. Es ist neun Uhr früh, das Thermometer steht bei 38 Grad. Die Touristen könnten sich nirgendwo weiter weg fühlen von einem klimatisierten Einkaufszentrum als hier – in der Savanne der Kimberley-Region im Norden von Westaustralien. Kaum ein Gebiet Australiens ist so abgelegen.

Auf einer staubigen Nebenpiste parkt Neville sein Allradfahrzeug. Er will den Gästen erklären, wie „meine Leute 60 000 Jahre lang gelebt haben“. Seine „Leute“, das sind die Aborigines, die australischen Ureinwohner. Der 47-Jährige ist Angehöriger des Nyikina-Stamms. In einem Termitenhügel findet er mehrere Handvoll Samen von Gräsern aus der Umgebung. Die Ureinwohner backen daraus eine Art Fladenbrot. „Die Termiten schleppen das Essen an, und wir bedienen uns“, sagt Poelina, „wie in einem Supermarkt.“

Dann setzt er sich eine Dose „Mother“ an den Mund, einen Energiedrink. „Aah, ich liebe das Zeug.“ Scheinbar problemlos lebt Poelina in zwei Welten – doch nicht alle australischen Ureinwohner schaffen das.

Deshalb diskutiert die im November an die Macht gekommene australische Regierung in diesen Tagen mit Vertretern der Aborigines, wie die teils katastrophalen Lebensumstände der Ureinwohner verbessert werden können. Tourismus dürfte dabei eine wichtige Rolle spielen.

Premierminister Kevin Rudd will sich zudem nächste Woche offiziell bei den Aborigines für vergangenes Unrecht entschuldigen. Die Opposition lehnt dies ab. Vertreter der Ureinwohner loben dagegen den lange ersehnten Schritt.

Gut 500 000 Aborigines leben noch auf dem mit 21 Millionen Menschen besiedelten Kontinent. Viele von ihnen kämpfen mit Alkohol- und Drogenproblemen, leben in armseligen Verhältnissen, wo Gewalt und Kindesmissbrauch alltäglich sind.

Seite 1:

Echsen essen, Fledermäuse vergessen

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%