Urlaub als Storm Chaser
Die mit den Tornados tanzen

Für ihren Urlaub wünschen sie sich nur eins: schlechtes Wetter. Denn diese kleine Gruppe von Abenteuerlustigen sind Tornadojäger und immer auf der Suche nach dem größten Wetterschauspiel der Natur.

HB FORT WORTH. Frühling und Sommer bedeuten für die Bundesstaaten im Zentrum der USA regelmäßig Tornadogefahr. Bis zu 1 000 dieser gefährlichen Twister gehen in der so genannten Tornado-Alley von Texas, Oklahoma, Kansas und Nebraska nieder. Auch in dieser Saison sorgten bereits Hunderte von Tornados im Mittelwesten für Tote, Verletzte und Verwüstung. Twister zerschmettern Häuser und wirbeln Autos wie Spielzeug durch die Luft. Während die normale Bevölkerung versucht, diesem gefährlichen Naturphänomen aus dem Weg zu gehen, gibt es eine kleine Gruppe von Enthusiasten, die den Stürmen nachlaufen: Storm Chaser, Tornadojäger.

Besonders nach dem Katastrophenfilm „Twister“ haben kommerzielle Veranstalter der Tornadojagd mehr Kundschaft, als sie auf ihre Abenteuertrips mitnehmen können. Im Sommer machen die Tour-Unternehmer ihr Geld. Sie haben klingende Namen wie „Tornado Alley Tours“, „Tempest“, „Storm Chaser“, „Whirlwind Tours“ und „Cloud 9“. Wer mit auf die Reise geht, muss flexibel, belastbar und ausdauernd sein. Meist fahren vier oder fünf Touristen mit den Sturm-Experten in einem Kleinbus. Touren dauern bis zu 10 Tage, und eine Jagd kann durch etliche Staaten führen.

„Sind sie ein Durchschnittsbürger, der neugierig darauf ist, das größte Wetterschauspiel der Natur zu sehen? Keine Vorkenntnisse erforderlich. Es ist Ihr Abenteuer!“, heißt es in der Werbung von „TRADD Tornado Chasing Tours“, einem der ältesten Veranstalter. Und: „Schweres Wetter garantiert!“ Eine sechstägige Tornadojagd kostet bei „Cloud 9“ zum Beispiel 1600 Dollar (rund 1300 Euro), bei „Silver Lining Tours“ 1900 Dollar (rund 1560 Euro). Der Preis enthält die Kosten für das Hotel. Auf dem Internet findet man Dutzende von Webseiten über Tornados, wo Interessierte Infos und Tipps austauschen, Jagden organisieren und über Erfahrungen berichten.

Tornadojäger können in wenigen Tagen Tausende von Meilen zurücklegen. Komfort gibt es bei dem Nomadenleben nicht. Nur bei der Technik wird nicht gespart: Die Busse sind mit modernsten Computern ausgestattet. Per Internet, über Sprechfunk und Radio wird Kontakt zu zahlreichen Wetternetzen gehalten. Programme und Vorhersagen werden ständig überwacht, Satellitenfotos, Karten und Radar ausgewertet. Diese Vorhersagen bestimmen die Richtung der Jagd. Storm Chaser fahren dorthin, wo große Kalt- mit Warmluftfronten zusammenstoßen. Die riesigen Türme von Haufenwolken über dem Mittelwesten, Gewitter und radikale Luftdruckschwankungen deuten auf rotierende Luftmassen. Professionelle Tornadojäger sind Wetterexperten und lesen aus kleinsten Details wertvolle Informationen für ihre Jagd. Und nicht selten sind es die Jäger selbst, die lokalen Wetterdiensten und TV-Stationen mit ihren Beobachtungen helfen können.

Teilnehmer der Touren sind nicht nur Wetterfans und Experten, sondern auch ganz einfach Neugierige. Wer für die anstrengende Jagd viel Geld ausgibt, erwartet auch eine Portion Nervenkitzel. US-Wetterexperten warnen Einheimische und Touristen nachdrücklich davor, ohne professionelle Führung auf die Jagd zu gehen. Anderenfalls könnte ein solcher Abenteuerurlaub tödlich enden.

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