Urteil
Aufführungsverbot für Kannibalenfilm „Rohtenburg“

Das Oberlandesgericht Frankfurt hat ein Aufführungsverbot für den Kinofilm „Rohtenburg“ über den Kannibalismus-Kriminalfall verhängt. Die Richter folgten damit einem Antrag des wegen Totschlags verurteilten Armin Meiwes.

HB KASSEL. Der in Kassel ansässige 14. Zivilsenat gab am Freitag dem Antrag des als Kannibalen von Rotenburg bekannt gewordenen Armin Meiwes statt, der seine Persönlichkeitsrechte durch den Film verletzt sieht. Die Entscheidung des Gerichts ist nicht anfechtbar. Bei Verstoß dagegen droht der Produktionsfirma Atlantic Streamline ein Ordnungsgeld von 250 000 Euro oder bis zu sechs Monaten Haft.

Die Richter erklärten, die Persönlichkeitsrechte des Klägers wögen in diesem Fall schwerer als die Kunstfreiheit. Meiwes muss sich zurzeit vor dem Frankfurter Landgericht erneut wegen Mordes an dem 43-jährigen Bernd B. verantworten.

In erster Instanz hatte das Landgericht Kassel am 27. Januar den Antrag auf Erlass einer einstweiligen Verfügung abgelehnt. Dagegen hatte Meiwes' Anwalt Harald Ermel Beschwerde eingelegt. Die OLG-Richter erklärten am Freitag, der Film enthalte bis in die Einzelheiten hinein die Lebensgeschichte von Armin Meiwes. Auch der Titel weise darauf hin. Dagegen hatte die Filmgesellschaft betont, die wahren Ereignisse hätten die Autoren des Psychothrillers nur „inspiriert“.

In „Rohtenburg“ spielt Thomas Kretschmann den Kannibalen Oliver Hartwin, der im Internet nach einem Partner sucht, der sich einverständlich von ihm töten und danach verspeisen lassen würde. Simon Grombek (Thomas Huber) stellt sich zur Verfügung.

Die Tat geschah vor fünf Jahren: Am 9. März 2001 war der 43-jährige Berliner Diplom-Ingenieur Bernd B. zu Meiwes gefahren, mit dem er sich über das Internet verabredet hatte. Meiwes hatte darin einen Mann zum „Schlachten“ gesucht. Bernd B. wollte dabei zusehen, wie Körperteile von ihm gegessen würden, und danach sterben. Meiwes entmannte B. und tötete ihn später mit einem Messer.

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