Urteil
Fanmeilen-Amokfahrer muss in Psychiatrie

Ein Autofahrer, der während der Fußball-WM mit seinem Wagen in eine Menschenmenge auf der Berliner Fanmeile raste, muss in die Psychiatrie. Der 34-Jährige sei geistig verwirrt und gefährlich für die Allgemeinheit, hieß es am Freitag zur Begründung vor dem Berliner Landgericht.

HB Berlin. Die Tat hatte während der Fußball-WM für viel Aufsehen gesorgt: Der Mann hatte Anfang Juli 2006 mit seinem VW-Polo absichtlich die Absperrungen vor dem Brandenburger Tor durchbrochen und war mit Tempo 40 in die Menge gefahren. Dabei wurden rund 20 Menschen verletzt, darunter ein elfjähriger Junge schwer.

Der vorher strafrechtlich nicht auffällig gewordene Mann hatte in ersten Vernehmungen angegeben, sich nicht an die Tat erinnern zu können. Zu Prozessbeginn legte er dann ein Geständnis ab und bat bei den Opfern um Entschuldigung. Ein Gutachter bescheinigte ihm Schuldunfähigkeit wegen einer Psychose.

Auch das Gericht ließ keinen Zweifel daran, dass sich der Autofahrer zur Tatzeit nicht unter Kontrolle hatte. „Es war von Anfang an offensichtlich, dass mit seiner geistigen Gesundheit etwas nicht in Ordnung ist“, sagte der Vorsitzende Richter. Er müsse nun so lange in der Klinik bleiben, bis sicher sei, dass er in Freiheit und unter Stress nicht wieder straffällig werde.

Mit ihrem Urteil folgte die 22. Große Strafkammer dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die für die Unterbringung des Mannes in einem Krankenhaus mit Maßregelvollzug plädiert hatte. Der Angeklagte und seine Verteidigerin hatten darum gebeten, die Einweisung zur Bewährung auszusetzen, um eine ambulante Therapie fortsetzen zu können.

Eine Gefahr gehe von ihrem Mandanten nicht mehr aus, sagte die Anwältin. Er habe seine Krankheit akzeptiert und nehme ständig Medikamente. „Ich habe hin und wieder Aussetzer, aber ansonsten bin ich ein ganz normaler Mensch“, erklärte der 34-Jährige in seinem Schlusswort.

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