Urteil
NS-Kriegsverbrecher bekommt lebenslänglich

In einem der letzten NS-Kriegsverbrecherprozesse hat das Landgericht München einen 90-jährigen früheren Wehrmachtsoffizier wegen Mordes an 14 italienischen Zivilisten zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt.

HB MÜNCHEN. Die Strafkammer sprach Josef Scheungraber aus Ottobrunn in Bayern des zehnfachen Mordes und versuchten Mordes schuldig. Der Angeklagte hatte bestritten, dass er im Juni 1944 als Kompanieführer des Gebirgs-Pionier-Bataillons 818 in der Toskana einen Vergeltungsakt für den Tod zweier deutscher Soldaten bei einem Partisanenüberfall befohlen hatte. Dabei wurden vier Italiener erschossen und zehn weitere Männer in einem Bauernhaus in Falzano di Cortona in die Luft gesprengt. Ein 15-Jähriger überlebte als Einziger.

Die Verteidigung hatte auf Freispruch plädiert und argumentiert, es gebe kein schriftliches Dokument, das einen Befehl des Kompanieführers dokumentiere. Allein das Eingebundensein in eine Armee oder in eine Befehlskette könne nicht zu einem Schuldspruch führen. Dagegen forderte die Staatsanwaltschaft eine lebenslange Haftstrafe wegen Mordes. Sie stützt sich auf Dokumente und Zeugenaussagen.

Für eine überraschende Wendung in dem fast ein Jahr dauernden Prozess hatte ein Zeuge gesorgt, der sich erst vor wenigen Wochen bei der Staatsanwaltschaft gemeldet hatte: Der frühere Mitarbeiter in der Möbelschreinerei des Angeklagten. hatte ausgesagt, der Angeklagte habe einst mit seiner Beteiligung an dem Massaker angegeben. Der Angeklagte war wegen des Massakers bereits im September 2006 von einem Militärgericht im italienischen La Spezia in Abwesenheit zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt worden.

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