Urteil
Schuhwerfen ist keine Straftat

Freude beim Schuhwerfer von Cambridge. Der deutsche Student ist vor Gericht freigesprochen. Begründung: Der Schuhwurf auf den chinesischen Regierungschef Wen Jiabao ist keine Straftat. Einen guten Rat hatte das Gericht für den Studenten dann aber doch noch parat.

HB LONDON. Freispruch für den Schuhwerfer von Cambridge: Im Prozess gegen den deutschen Studenten sah das Gericht in der englischen Universitätsstadt keine ausreichenden Beweise dafür, dass der 27-Jährige mit seinem Schuhwurf auf den chinesischen Regierungschef Wen Jiabao eine Straftat begangen hat. Der Richter gab dem Deutschen nach zweitägiger Verhandlung aber eine Warnung mit auf dem Weg: „Sie verlassen das Gericht mit einem Freispruch, aber mit einer Verwarnung für Ihr künftiges Verhalten.“ Die Anklage hatten dem Studenten Störung der öffentlichen Ordnung und gewalttätige Bedrohung vorgeworfen.

„Ich hoffe, die Aufmerksamkeit geht jetzt von mir wieder zur wahren Problematik der Menschenrechte in China über“, verlas die Anwältin des Freigesprochenen eine Erklärung nach Ende des Prozesses. Dann verschwand der Doktorand kommentarlos.

Aus Protest gegen die Menschenrechtspolitik Chinas hatte der in Ostdeutschland geborene Mann am 2. Februar eine Rede Wen Jiabaos lautstark unterbrochen und seinen Turnschuh auf den Regierungschef geworfen, ihn aber verfehlt. Gewalt als Motiv hatte der Angeklagte während der Verhandlung bestritten. „Ich wollte symbolisch gegen die Anwesenheit des chinesischen Ministerpräsidenten protestieren. Und ich wollte Solidarität mit den Menschen in China zeigen, die in der Rede nicht vorkamen.“

Bei seiner Tat hatte er sich nach eigenen Angaben von dem Protest eines irakischen Fernsehreporters inspirieren lassen, der bei einer ähnlichen Attacke seine Schuhe auf den früheren US-Präsidenten George W. Bush in Bagdad geworfen hatte.

Zu seinen Gefühlen während seiner lauten Zwischenrufe sagte der 27-Jährige: „Ich hatte gehofft, ganze Sätze herauszubringen und keinen Idioten aus mir zu machen. Und ich war besorgt, dass ich von den anderen niedergebrüllt werden könnte.“ Der Deutsche hatte bei seinem Protest auf Englisch gerufen: „Wie kann sich die Universität für diesen Diktator prostituieren. Wie könnt Ihr den Lügen zuhören, die er erzählt. Steht auf und protestiert“. Danach hatte er den Schuh geworfen und wurde dann von Ordnern abgeführt.

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