US-Bürger kämpfen mit gravierenden Infrastruktur-Problemen
Nobelpreise und Hightech-Waffen nützen im Alltag wenig

Der größte Stromausfall der US-Geschichte hat den Amerikanern wieder einmal die Schattenseiten des Lebens im Land der Superlative deutlich gemacht. Im Alltag nützt es den Bürgern kaum, dass die USA führend in Weltraumeroberung und Gen-Forschung sind, dass sie im Land mit den meisten Nobelpreisträgern, den modernsten Computern und den meistgefürchteten Waffensystemen leben.

HB/dpa WASHINGTON. Denn der Alltag im reichsten und mächtigsten Land der Welt wird auch geprägt von maroden Straßen, schlechten Telefonverbindungen, dem Fehlen öffentlicher Verkehrsmittel oder manchen Merkwürdigkeiten des an sich modernen Finanzwesens. Die Supermacht USA kümmert sich traditionell vergleichsweise wenig um umweltgerechte Müllentsorgung oder um Energiesparen und im täglichen Leben muss der Bürger mit gravierenden Problemen in der Infrastruktur fertig werden.

Allerdings sind die Schwierigkeiten auf hohem Niveau. Der gigantische „Blackout“ deckte die enorme Schwäche eines überlasteten und veralteten Stromnetzes auf. Auch verbrauchen die Einwohner der USA im Durchschnitt immerhin rund doppelt so viel Energie wie ein Deutscher und das Vielfache wie ein Inder, Chinese oder Brasilianer. In keinen Land der Welt gibt es mehr Energie fressende Autos, Klimanalagen oder Kühlschränke als hier.

Die These von Ex-Energieminister Bill Richardson, die Supermacht habe „eine Stromversorgung wie in der Dritten Welt“ war zwar medienwirksam, aber wohl übertrieben. Denn trotz manch spektakulärer Stromausfälle funktioniert normalerweise die Energieversorgung fast zu gut. So mancher Europäer fröstelt im Sommer in den flächendeckend sehr erfolgreich dauergekühlten Gebäuden des Landes - seien es Privathäuser, Hotels, Kinos, Flughäfen oder Wolkenkratzer.

Eine andere Aussage wird den Amerikanern sehr viel mehr zu denken geben: Die „Deregulierung“ in den USA, die Privatisierung bislang öffentlicher Aufgaben wie Energieversorgung und Verkehr, ist nach Ansicht des Publizisten Robert Kuttner der wahre Grund für die Schwächen in der Infrastruktur der USA. Das Land befinde sich in „der Falle einer falschen Theorie“. Weil die Energieproduktion profitabel sei, nicht aber der Stromvertrieb im Netz, sei zwar enorm in Kraftwerke, aber kaum in Leitungen investiert worden, so seine These in der „New York Times“. Gerade im Energiebereich gefährde ein kurzfristiges Gewinndenken die notwendige Planung und Koordinierung für diesen lebenswichtigen Sektor.

Die meisten Amerikaner interessieren sich nicht für die Schadenfreude, mit der vielfach in der Welt der „Blackout“ wahr genommen wurde - sehr viel mehr bekümmert sie, dass in dem Land mit den meisten Computern und Telefonen auch die Kommunikation Schwächen hat. Überrascht stellt der europäische Besucher fest, dass die verschiedenen Mobiltelefonnetze teilweise nicht kompatibel sind, dass die Übertragungsqualität im Festnetz oft schlecht ist.

Obwohl kaum ein Volk mobiler ist als die Amerikaner, hat auch das Verkehrssystem Unzulänglichkeiten. Das gigantische Straßennetz - mit bis zu 20-spurigen Autobahnen - ist schlecht gewartet. Selbst in den Straßen rund ums Weiße Haus in Washington klaffen Schlaglöcher und Risse. Zwar gibt es tausende von Flughäfen - aber das für Reisende nutzbare Eisenbahnnetz ist dünn, das einzige staatliche Transportunternehmen Amtrak bietet gerade mal rund 40 Überlandstrecken an - und das in einem Land, das mit 9,5 Mill. Quadratkilometern fast 27-mal so groß ist wie Deutschland.

Bahnhöfe wie die Central Station in New York oder Union Station in Washington sind überwältigende Prachtbauten mit luxuriösen Geschäften und edlen Restaurants. Die Züge sind häufig in einem miserablen Zustand und so soll es auch um das Schienennetz stehen. US-Medien berichten immer wieder von entgleisten Güterzügen. In vielen Metropolen - wie New York - klagen die Bürger über veraltete und überlastete Nahverkehrszüge und Busse.

Auch im Finanzverkehr stößt der Europäer auf manche Überraschung. Man kann dank des Kreditkartenwesens wohl in keinem Land der Welt so schnell ohne eigene Mittel so viel Geld ausgeben wie in den USA. Die US-Bürger gelten auch als die privat am höchst verschuldeten der Welt. Das Bezahlen von Rechnungen funktioniert - trotz eines hochmodernen Finanzwesen - weitgehend über Schecks. Daueraufträge sind kaum bekannt. Wehe, man vergisst am Monatsende die Unzahl verschiedener Rechnungen zu begleichen: Zumindest das System der Kontrolle persönlicher Zahlungsfähigkeit und Kreditwürdigkeit gilt als hoch effizient.

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