US-Minenunglück: Sterbender Bergarbeiter schrieb ergreifenden Abschiedsbrief

US-Minenunglück
Sterbender Bergarbeiter schrieb ergreifenden Abschiedsbrief

Bergarbeiter Martin Toler wusste, dass es für ihn kein Entrinnen gab: Auf der Rückseite eines Versicherungsantrags hielt er seine letzten Worte an Familie und Freunde fest. Wenig später war der 51-Jährige tot - wie elf Kollegen, die zusammen mit ihm seit der schweren Explosion am Montag in ihrer Kohlemine in West Virginia verschüttet waren.

TALLMANSVILLE. „Es war nicht schlimm. Ich bin einfach eingeschlafen. Ich liebe euch.“ Die letzten Zeilen des Bergarbneiter sind ergreifend. Als erster Angehörige bekam Martin Tolers älterer Bruder Tom nach der Identifizierung der Leiche den Abschiedsbrief in die Hand. „Das hat mich richtig erschüttert, als sie ihn mir gegeben haben“, sagt Tom Toler, der selbst 30 Jahre lang unter Tage arbeitete.

Auch andere Familien haben eine letzte Botschaft erhalten. Dass darin nicht von Todeskampf, sondern von schmerzfreien letzten Minuten die Rede war, hat Peggy Cohen am meisten trösten können. In Notizen der Kumpels heiße es, dass sie nicht litten, berichtet sie. Auch ihr Vater sehe friedlich aus, eben wie jemand, der an einer Kohlenmonoxidvergiftung gestorben sei. „Es beruhigt mich zu wissen, dass er nicht gelitten hat.“

Der einzige aus der Gruppe von 13 Verschütteten, der zwei Tage nach dem schweren Unglück am Mittwoch lebend aus der Grube Sago geborgen werden konnte, liegt weiter im Krankenhaus. Er wird in Pittsburgh einer speziellen Sauerstoffbehandlung unterzogen. Der Zustand des 26-jährigen Randal McCloy sei stabil, aber kritisch, sagte der Arzt Richard Shannon am Freitag im Fernsehsender CBS.

Einzige Überlebende ist weiter im Koma



Ob der Bergarbeiter bleibende Gehirnschäden auf Grund seiner Kohlenmonoxid-Vergiftung erlitten hat, könne möglicherweise erst in einigen Tagen festgestellt werden. Aber er bewege sich spontan und öffne die Augen, erklärte der Mediziner, „alles Anzeichen dafür, dass er nicht in einem Koma liegt.“

McCloys Frau Anna ist sicher, dass ihr Mann sie wahrnimmt, wenn sie bangend an seinem Bett sitzt. „Ich weiß, dass er es merkt, wenn ich da bin“, berichtete sie dem Sender ABC. „Er versucht die Augen aufzuschlagen und mich anzusehen.“ Auch auf seine zwei Kinder, den vierjährigen Randal Jr. und die einjährige Isabel, reagiere er so.

Der Vater McCloys ist unterdessen überzeugt, dass sein Sohn nur dank der Hilfe seiner Kollegen überlebt hat. Hinweise für seine Annahme habe er nicht, räumt McCloy Senior ein. „Aber diese Männer waren wie Brüder. Sie haben sich umeinander gekümmert.“ Er glaube, dass sie seinem Sohn von ihrem Sauerstoffvorrat abgaben, sagt er - weil McCloy der jüngste von ihnen war und zwei kleine Kinder zu Hause hat.

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