Aus aller Welt

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US-Waffenrecht: Der Scharfschütze, der erschossen wurde

Der Tod des ehemaligen Elite-Scharfschützen Chris Kyle an einem Schießstand in Texas hat die Diskussion um schärfere Waffengesetze in den USA wieder ins Rollen gebracht: „Wo war der gute Kerl mit der Waffe?“

DüsseldorfIm Internet wird neuer Protest gegen die amerikanische Waffenlobby laut. Auslöser ist diesmal der Tod eines ehemaligen Berufs-Scharfschützen und erfolgreichen Autors. Ausgerechnet auf einem Schießstand wurde er selbst erschossen.

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Es klingt wie der Plot eines amerikanischen Kriegsfilms: Während seiner Zeit bei der US-Eliteeinheit „Navy Seals“ tötete der treffsichere Scharfschütze Chris Kyle allein mehr als 150 Iraker. In seiner Autobiografie „American Sniper“ bezeichnete sich der 38-Jährige selbstbewusst als „besten Scharfschützen des US-Militärs“.

Dann kommt es zum ironisch-tragischen Finale im Leben von Chris Kyle: Am vergangenen Samstag wurde er selbst an einem Schießstand nahe Glen Rose im US-Bundesstaat Texas erschossen. Die Kugeln wurden nicht vom verbitterten Feind aus sicherer Entfernung abgegeben. Sie kamen ganz unspektakulär aus nächster Nähe aus der Pistole eines 25-jährigen Irakkriegsveteranen, mit dem sich Kyle auf dem Übungsplatz getroffen hatte.

Rot-grün verlangt schärfere Gesetze Waffenrepublik Deutschland

Erstmals erfasst der Bund alle Waffen und ihre Besitzer. Dabei kommt eine stattliche Zahl zusammen. Die meisten Waffen sind in Bayern im Umlauf. Die höchste Waffendichte findet sich aber in einem ganz anderen Bundesland.

Der junge Mann litt offenbar unter psychischen Problemen und Kyle hatte ihm Hilfe angeboten. Sein genaues Motiv für die Tat ist unklar, die Rede ist davon, dass er Kyles Truck stehlen wollte. Im Internet reichen die Reaktionen auf Kyles Tod von pathetischen Beileidsbekundungen bis hin zu harscher Kritik an dem Scharfschützen.

Twitter-Nutzerin ‏@JWHQ31 bezeichnet ihn als wahren Helden. Und auch auf seiner Facebook-Seite finden sich mehrere Tausend Kommentare mit Nachrufen auf den Sniper. Eine Nutzerin versichert etwa, dass die ganze Nation um ihn trauere.

Andere Nutzer dagegen bringen wenig Verständnis für Amerikas gefährlichsten Sniper auf: @daithaic etwa sieht in ihm weniger einen Helden als einen Terroristen: Er habe mit einer Uniform bekleidet Menschen ermordet.

Doch die Nutzer der sozialen Medien nutzen den Tod von Kyle längst auch als Pro- und Kontraargument in der Diskussion um schärfere Waffengesetze in den USA. Denn die US-Waffenlobby betont eigentlich immer wieder, wie sicher Schießstände sind. @chris_in_cal zieht daher ironisch in Erwägung, an den Schießständen aufzurüsten und bewaffnete Wachen zu positionieren.

Er spielt damit indirekt auf die Parole der National Rifle Association (NRA) an, der zufolge nur ein guter Kerl mit einer Waffe, einen bösen Kerl mit einer Waffe stoppen könne. Die NRA hatte damit auf die Schießerei in einer Grundschule in Newtown im Bundesstaat Connecticut reagiert. Viele kritische Internetnutzer drehen der NRA diese Formel inzwischen im Munde herum.

Die Konsequenzen nach den Amokläufen von Erfurt und Winnenden

  • Waffenrecht nach Amoklauf von Erfurt

    Die Vorschriften wurden mehrfach verschärft und gelten mittlerweile als besonders streng. Seit der umfangreichen Gesetzesnovelle nach dem Amoklauf von Erfurt im April 2002 müssen etwa Personen unter 25 Jahren, die erstmals eine Waffe legal besitzen wollen, ein ärztliches oder psychologisches Attest zu ihrer "geistigen Reife" vorlegen. Zudem wurde der Besitz von sogenannten Pumpguns mit Pistolengriff untersagt. Der Amokläufer von Erfurt, der 16 Menschen und anschließend sich selbst erschossen hatte, besaß solch eine Waffe.

  • Waffenrecht nach Amoklauf von Winnenden

    Nach dem Amoklauf Winnenden im März 2009 wurde die Altersgrenze für das Sportschießen mit Großkaliberwaffen von 14 auf 18 Jahre angehoben. Auch die Kontrollen zur Waffenaufbewahrung in Privatwohnungen wurden verschärft. Dies war eine direkte Konsequenz aus dem Amoklauf. Der Attentäter von Winnenden hatte mit der Pistole des Vaters an seiner Schule und auf der Flucht 15 Menschen und sich selbst getötet. Der Vater besaß die Waffe als Sportschütze, hatte sie aber nicht wie vorgeschrieben in einem Tresor weggeschlossen. Nun sind bei Waffenbesitzern verdachtsunabhängige Kontrollen ohne Vorankündigung möglich.

  • Nationales Waffenregister

    Am 1. Januar 2013 hat ein nationales Waffenregister den Betrieb aufgenommen. Die Polizei wird damit künftig nachprüfen können, wer welche Waffe legal besitzt. Bisher werden die Daten über Waffen und ihre Halter in rund 550 lokalen Waffenbehörden verwaltet, die untereinander nicht vernetzt sind. Die Daten laufen künftig im Zentralregister zusammen. Damit setzt Deutschland zwei Jahre früher als vorgeschrieben eine EU-Richtlinie um.

  • Krisenpläne

    Im Ernstfall soll noch schneller auf einen Amoklauf reagiert werden. Eine wichtige Änderung seit Erfurt liegt darin, dass die ersten Einsatzkräfte der Polizei vor Ort sofort eingreifen und nicht auf Verstärkung warten sollen. In Winnenden gingen die Beamten des ersten Streifenwagens gleich in die Albertville-Realschule. Die Schulen sollen zudem eigene individuelle Notfallpläne haben.

  • Prävention

    Ein zentraler Ansatz sind verstärkte vorbeugende Maßnahmen. So wurde etwa in Thüringen und Baden-Württemberg die Zahl der Schulpsychologen erhöht. Zudem gibt es verschiedene Programme, um an den Schulen ein gewaltloses Klima zu schaffen. In Thüringen gibt es anders als vor dem Amoklauf von Erfurt an Gymnasien nun eine Abschlussprüfung nach der zehnten Klasse. Wer diese besteht, hat einen Realschulabschluss sicher. Der Erfurter Attentäter Robert Steinhäuser hatte das Gutenberg-Gymnasium ohne Schulabschluss verlassen.

  • Computerspiele

    Jugendlichen soll der Zugang zu Gewalt darstellenden Videos und Computerspielen erschwert werden. Computerspiele müssen wie Kino- und Videofilme mit Altersgrenzen gekennzeichnet werden. Spiele können auch indiziert werden, was weitergehende Werbe- und Vertriebsbeschränkungen zur Folge hat.

Twitter-Nutzer @RobBeers sieht die Parole widerlegt, da Kyle eben solch ein „guter Kerl mit Waffe” gewesen sei, der sich trotz seiner Scharfschützen-Vergangenheit nicht dagegen wehren konnte, von einem „Bösen mit Waffe“ gestoppt zu werden. Und @BlackFridayMGT beklagt zynisch: „Wäre doch nur ein guter Kerl mit Pistole in der Nähe gewesen.“ Fest steht, dass die Tragödie vom Schießstand Befürwortern und Gegnern schärferer Waffengesetze in den USA neuen Rückenwind gibt. Ob sie den Demokraten von Präsident Obama hilft, diese Gesetze tatsächlich durchzusetzen, bleibt aber mehr als fraglich.

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