USA bietet Hilfe an
Schweres Erdbeben im Westiran fordert zahlreiche Opfer

Bei einem schweren Erdbeben im Westen des Irans sind am Freitag nach offiziellen Angaben mindestens 70 Menschen getötet und mehr als 1200 weitere verletzt worden.

HB TEHERAN. Die Erdstöße mit Stärken zwischen 4,7 und 6,0 auf der Richterskala trafen die Provinz Lorestan in der Nacht zum Freitag. Mehrere hundert Dörfer wurden den örtlichen Behörden zufolge stark beschädigt oder zerstört. Einige Menschen konnten noch lebend aus den Trümmern geborgen werden. Ärzte schlossen nicht aus, dass die Totenzahl noch steigen könnte. Die Kliniken in den umliegenden Ortschaften Dorud und Borudscherd waren durch die vielen Verletzten so ausgelastet, dass sie keine weiteren Opfer aufnehmen konnten. Die iranische Regierung und der Internationale Rote Halbmond entsandten Rettungsteams. Die mit der iranischen Führung zerstrittene US-Regierung bot Hilfe an.

Nach dem Beben zeigte das iranische Fernsehen dem Erdboden gleich gemachte Häuser. Menschen suchten mit bloßen Händen in den Trümmern nach ihren Habseligkeiten. Familien saßen in den frühen Morgenstunden an Feuern im Freien - im Hintergrund die Ruinen ihrer Häuser. Viele Menschen hatten bereits in der Nacht nach den ersten, etwas schwächeren Erdstößen fluchtartig ihre Häuser verlassen und Zelte im Freien aufgeschlagen.

Die Bevölkerung wurde damit nicht völlig von dem stärkeren Beben am Morgen überrascht. Dies habe die Zahl der Toten vergleichsweise gering ausfallen lassen, sagte der Leiter des Katastrophenschutzes der Provinz, Ali Barani, der Nachrichtenagentur Reuters. Seiner Einschätzung nach sind in der Region rund 330 Dörfer zu 30 bis 100 Prozent zerstört. In zahlreichen Ortschaften fielen Strom, Gas und Telefon aus.

Aus vielen Dörfern der Region wurden im Tagesverlauf Familiendramen bekannt. Der 42-jährige Mussa Schaban aus Garadsch berichtete, er habe nach dem ersten Beben mit seiner Frau und den sechs Kindern das Haus verlassen und im Freien übernachtet. Seine Mutter habe sich hingegen geweigert, das Haus zu verlassen und kam in den Trümmern um: „Ich habe ihr gesagt, sie soll herauskommen,... aber sie sagte: „Nein, das Beben ist vorüber'.“ Neben der Ruine von Schabans Haus standen Frauen in langen schwarzen Gewändern, die um seine Mutter trauerten.

Iran, das von tektonischen Brüchen durchzogen ist, wird seit Jahrzehnten immer wieder von Erdbeben heimgesucht, die zehntausende von Opfern forderten. Bei einem der schwersten Beben der jüngeren Zeit starben in der Stadt Bam im Dezember 2003 mehr als 30.000 Menschen.

Die Regierung in Teheran schickte Fernsehberichten zufolge unter anderem mit Spürhunden ausgestattete Rettungsteams und zwei Hubschrauber. US-Außenministerin Condolezza Rice sagte am Rande eines Besuchs in Nordengland, die USA seien immer zu humanitärer Hilfe bereit: „Die USA haben dem Iran in Bam Erdbeben-Hilfe geleistet, und ich bin ganz sicher, dass wir jetzt mehr als vorbereitet wären, das gleich zu tun.“

Die USA und der Iran unterhalten seit 1979 keine diplomatischen Beziehungen mehr. Die US-Regierung drängt Iran zudem seit Monaten darauf, sein umstrittenes Atomprogramm einzustellen. Der Iran weigert sich jedoch mit der Begründung, die Uran-Anreicherung nur zu friedlichen Zwecken zu betreiben.

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