USA
Skandal um nackten Schoko-Jesus

Eine Figur mit Genitalien - in den USA tabu. Dennoch hat es ein Künstler gewagt, eine nackte, und dazu noch anatomisch korrekte, lebensgroße Jesus-Figur aus Schokolade zu formen - und damit einen Skandal ausgelöst. Ausstellen darf er sein Kunstwerk erst einmal nicht.

PORTLAND. Oster-Skandal in den USA: Der New Yorker Künstler Cosimo Cavallaro formte in dreimonatiger Arbeit ein Kruzifix mit einem lebensgroßen Jesus aus Schokolade. Das Werk mit dem Titel „My Sweet Lord“ löste heftige Proteste aus – aber nicht, weil sich Cavallaro für Milchschokolade entschieden hatte.

Die geplante Ausstellung zu Ostern im Manhattan Museum ist geplatzt. Cavallaro erhielt Drohungen, musste sein Atelier räumen und hält den Schokoladen-Jesus versteckt – „gut gekühlt“, wie er in einem Interview des Kabelsenders MSNBC versicherte. Den Grund für die Aufregung umschrieb die Interviewerin so: Die Statue sei „anatomisch korrekt“ und schloss die Frage an: „Hätte die Kontroverse nicht mit einem Lendentuch vermieden werden können?“

Der Schokoladen-Bildhauer blieb hart. Schließlich sei der Herr am Kreuze nackt gestorben.

Jesus mit Penis, und dann noch aus Schokolade – das sei „einer der schlimmsten Angriffe auf christliche Empfindungen“, schäumte ein Kritiker. Ein Kardinal intervenierte, ein Bischof protestierte, die Museumsverwaltung schmolz unter dem Druck. Nichts gegen den Werkstoff. Schokosüchtige, auch Chocoholics genannt, können im Internet zu Ostern statt Hasen kleine Jesus-Figuren in allen Geschmacksrichtungen erwerben, und der Barde Tom Waits nahm ein Musikvideo mit dem Titel „Chocolate Jesus“ auf, das auf YouTube zu besichtigen ist. Aber anatomisch korrekt bis ins, äh, kleinste Detail? Ich bitte Sie!

Nicht alle waren schockiert. Er habe bereits zahlreiche Kaufangebote für seinen naturgetreuen Schoko-Herrn, sagte der Bildhauer zu MSNBC, das die Figur nur verpixelt zeigte. Jedenfalls wurde Cavallaro durch die Episode bekannt, was beweist, dass Sex in den USA immer noch der sicherste Weg ist, um in die Hölle oder ins Fernsehen zu kommen.

Quelle: Handelsblatt
Jens Eckhardt
Handelsblatt / Korrespondent
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