USA
Sparen für Anfänger

Amerika muss kürzer treten. In Crashkursen lernen die US-Bürger, ihr Geld zusammenzuhalten - eine Revolution im Land des Konsumrauschs. Offenbar hat die Finanzkrise einen Paradigmenwechsel eingeleitet. Wie Amerikaner in der Krise sparen lernen.

ATLANTA. Zweimal hat Beau Guest seinen Vortrag an diesem Tag schon gehalten. Es ist kurz vor zwölf, und er macht sich bereit für die dritte Runde, zieht seine Krawatte fest und geht in dem kleinen, etwas muffigen Konferenzraum auf und ab. Laptop und Projektor für die Power-Point-Präsentation sind startbereit, die Tische sorgsam angeordnet wie in einem Klassenzimmer, die Broschüren säuberlich auf jedem Platz verteilt.

Beau Guest ist Manager für Kundenbeziehungen bei der US-Bank Wachovia, die im Zuge der Finanzkrise von dem kalifornischen Rivalen Wells Fargo aufgekauft wurde. Aber eigentlich ist Beau Guest Handlungsreisender, und in seinem Koffer hat er die Ausrüstung für den neuesten Trend, der Amerika erfasst hat, seit der Immobilienmarkt zusammengebrochen, die Hypotheken schal geworden, die Kreditquellen versiegt und die Grenzen des Wohlstands erreicht sind: das Sparen. Und weil in Amerika selbst in Zeiten der Knappheit das Motto "Think Big" gilt, lautet das Thema von Beau Guests Vortrag: "How to save a Million Dollars".

Amerika hat das Sparen entdeckt. Das kommt einer Revolution gleich in einem Land, wo die private Sparquote noch vor einem Jahr bei 0,1 Prozent lag und vor zwei Jahren negativ war, in einem Land, wo der Konsum zum kollektiven Selbstverständnis gehört getreu dem Grundsatz: Ich konsumiere, also bin ich.

Die Finanzkrise hat einen Paradigmenwechsel eingeleitet. Ende vergangenen Jahres lag die Sparquote in den USA bereits bei 2,3 Prozent. Das ist zwar noch immer wenig im Vergleich zu Deutschland, wo die Bürger elf Prozent ihres Einkommens auf die hohe Kante legen. Aber es zeigt, dass die Amerikaner umdenken.

Das tun auch die Teilnehmer des Seminars, das Wachovia an diesem Tag im Büro von "Big Brothers Big Sisters" - einer Organisation, die sich um benachteiligte Kinder kümmert - in der Südstaatenmetropole Atlanta veranstaltet. Der Raum füllt sich, 20 Angestellte der Organisation nutzen die Mittagspause für einen Crashkurs im Sparen. Die meisten haben ihr Mittagessen mitgebracht, Sandwich, Salat, Hamburger. Der Geruch von Kantine mischt sich mit der abgestandenen Luft. Die meisten der Teilnehmer sind weiblich.

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