USA
Texaner vermutlich zu Unrecht hingerichtet

In den USA ist ein Texaner vermutlich zu Unrecht hingerichtet worden. Eine Gruppe von Experten fand nun heraus, dass der Mann, wie vermutlich zahlreiche andere Bürger, aufgrund von fehlerhafter Einschätzung der Sachverständiger verurteilt wurde.

HB NEW YORK. Ein Brand in seinem Haus kostete 1991 die drei kleinen Töchter von Cameron Todd Willingham das Leben. Vor zwei Jahren wurde der Texaner wegen Brandstiftung mit Todesfolge hingerichtet - möglicherweise zu Unrecht, wie eine Gruppe von Experten herausgefunden hat. Und nicht nur Willingham, sondern zahlreiche weitere US-Bürger sitzen vermutlich wegen der fehlerhaften Einschätzung von Sachverständigen im Gefängnis. Willingham hatte bis zu seinem Tod seine Unschuld beteuert. „Das ist ein entsetzlicher Irrtum, und die Leute wollen diesen Irrtum nicht eingestehen“, sagte John Lentini, einer von fünf Experten, die den Fall von Willingham näher untersucht haben. Sie arbeiteten mit der Organisation „The Innocence Project“ zusammen, die sich bemüht, ungerechtfertigte Verurteilungen aufzudecken. Nach offiziellen Angaben wurden seit 2002 in den USA mehr als 5.400 Menschen wegen Brandstiftung inhaftiert, das Statistikamt hat allerdings nur die Daten von etwa der Hälfte aller US-Staaten ausgewertet.

Verschiedene Annahmen, auf die sich Sachverständige in Prozessen wegen Brandstiftung stützen, seien schlicht Humbug, erklärte Gerald Hurst, ein Chemiker und privater Ermittler. So sei im Prozess gegen Willingham beispielsweise davon ausgegangen worden, dass der Familienvater den Brand mit Hilfe von Benzin gelegt habe. Mit Benzin angefachte Brände seien heißer, als wenn lediglich Holz verbrenne, nahmen die Sachverständigen an - was Experten zufolge nicht immer richtig ist. Außerdem hatten Ermittler vor Gericht ausgesagt, es habe mehrere Brandherde gegeben, ebenfalls ein Hinweis auf Brandstiftung. Lentini und seine Kollegen kamen jedoch zu dem Schluss, dass es dafür keine glaubhaften Anhaltspunkte gab. Die National Fire Protection Association (NFPA), eine Vereinigung unter anderem von Versicherungsunternehmen, Feuerwehrleuten und Bauunternehmern, gab 1992 einen Bericht zu Ermittlungen bei Bränden heraus, in dem zahlreiche Methoden von Sachverständigen in Zweifel gezogen wurden. Erst im Jahr 2000 wurde der Bericht mit der Bezeichnung NFPA 921 von der Internationalen Vereinigung der Brandermittler (IAAI) anerkannt. Noch immer handelt es sich allerdings um Empfehlungen, nicht um formale Standards.

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