USA wollen Auslieferungsantrag stellen
Schach-Legende Fischer festgenommen

Nach mehr als zehn Jahren auf der Flucht ist der ehemalige amerikanische Schachweltmeister Bobby Fischer in Japan von den Einwanderungsbehörden festgenommen worden.

HB WASHINGTON. Die Festnahme steht im Zusammenhang mit einem Match, das Fischer 1992 in Belgrad gegen seinen russischen Kontrahenten geführt hatte. Der 61-Jährige wurde bei der Einreise auf dem japanischen Flughafen Tokio-Narita am vergangenen Dienstag in Gewahrsam genommen. Die USA wollen seine Auslieferung beantragen, wie die „Washington Post“ am Freitag berichtete. In den USA drohen Fischer, dessen Talent und ungezügelter Charakter Filmstoff lieferten, bis zu zehn Jahre Haft.

Der Festnahme war ein langes Katz-und-Maus-Spiel mit den US-Behörden vorausgegangen. Eine so genannte Grand Jury hatte Fischer 1992 angeklagt, weil er trotz eines offiziellen US-Verbots für eine Siegprämie von 3,3 Mill. Dollar zu einer „WM-Revanche“ gegen Spassky nach Belgrad gereist war. Ein amerikanisches Gesetz hatte seinerzeit alle „kommerziellen Aktivitäten" mit Jugoslawien wegen dessen Rolle in Bosnien und Herzegowina untersagt. Fischer entzog sich der Festnahme, in dem er mit seinem US-Pass von einem Land ins nächste reiste.

Als die US-Behörden kürzlich erfuhren, dass sich Fischer ein Visum für Japan beschafft hatte, erklärten sie seinen Pass für ungültig und ermöglichten damit die Festnahme wegen des Verstoßes gegen dortige Einreisebestimmungen.

Den Showkampf gegen Spassky hatte Fischer seinerzeit ebenso gewonnen wie das legendäre WM-Duell von 1972 in Reykjavik. Damals löste er auf dem Höhepunkt des Kalten Kriegs den Russen Spassky als Champion ab und wurde in den USA als Held gefeiert. 1975 gab Fischer den WM-Titel kampflos an Anatoli Karpow (Russland) ab, reklamiert aber die WM-Krone noch heute für sich.

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