Vatikan bemüht sich nach Kritik von Muslims um Klarstellung
Moslem-Brüderschaft droht dem Vatikan

Nach der Kritik türkischer Religionsführer hat nun auch die einflussreiche Moslem-Brüderschaft in Ägypten die islamische Welt zum Protest gegen Papst Benedikt XVI. aufgerufen. Der Vatikan ist derweil bemüht, die immer höher schlagenden Wellen zu glätten. Benedikt habe die moslemischen Gläubigen nicht beleidigen wollen, erklärte der Vatikan.

HB KAIRO/ANKARA/VATIKANSTADT. Der Leiter der Moslem-Brüderschaft, Mohamed Mahdi Akef, forderte am Donnerstag eine Entschuldigung des römisch-katholischen Kirchenoberhaupts für dessen Äußerungen zum moslemischen Verständnis des Heiligen Krieges. Er rief alle moslemischen Staaten dazu auf, mit dem Abbruch ihrer Beziehungen zum Vatikan zu drohen, sollte der Papst seine Äußerungen nicht zurücknehmen. Die ägyptische Moslem-Brüderschaft ist eine der ältesten, größten und einflussreichsten Organisationen in der arabischen Welt.

Die Bemerkung zeuge von einem falschen Verständnis des Islams, sagte Akef. Er sei erstaunt, dass der höchste Vertreter der katholischen Kirche, der Einfluss auf die öffentliche Meinung des Westens habe, sich so geäußert habe. Die Organisation der Islamischen Konferenz erklärte, sie hoffe, dass die Rede Benedikts nicht einen neuen Trend in der Politik des Vatikans gegenüber dem Islam.

Zuvor hatte bereits die oberste türkische Religionsbehörde eine Entschuldigung für die während der Deutschlandreise gefallenen Bemerkungen des Papstes gefordert. Die Worte des Kirchenoberhauptes seien „extrem bedauerlich und Besorgnis erregend“, sagte der Präsident des Amtes für religiöse Angelegenheiten, Ali Bardakoglu. Er fühle sich von den Bemerkungen beleidigt, sagte der Vorsitzende des Direktorats für religiöse Angelegenheiten laut der Nachrichtenagentur Anadolu. Bardakoglu warf dem aus Bayern stammenden Pontifex Hassgefühle vor und stellte dessen für November geplante Reise in die Türkei in Frage.

Papst Benedikt XVI. war am Dienstag während einer Rede an der Universität Regensburg auf das moslemische Verständnis des Heiligen Krieges eingegangen und hatte erklärt, Religion dürfe niemals zur Rechtfertigung von Gewalt missbraucht werden oder gar selbst zur Gewalt aufrufen. Gewalt sei mit dem Wesen Gottes und dem Wesen der Seele nicht vereinbar. Bei dieser Gelegenheit zitierte er aus einem Buch, das einen Disput aus dem 14. Jahrhundert zwischen dem byzantinischen Kaiser Manuel II. Palaeologos und einem gelehrten Perser über den Dschihad und die Bekehrung mit Gewalt wiedergibt: „Zeig mir doch, was Mohammed Neues gebracht hat und da wirst du nur Schlechtes und Inhumanes finden wie dies, dass er vorgeschrieben hat, den Glauben, den er predigte, durch das Schwert zu verbreiten.“ Benedikt machte dabei klar, dass er nur zitierte.

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