Vatikan und Frauen
Schönheits-OP ist wie „Burka aus Fleisch“

Frauen in der Kirche: Das war für den Vatikan schon immer ein schwieriges Thema. Unter Papst Franziskus soll Bewegung in das Verhältnis kommen. Der erste Annäherungsversuch endet im Fettnäpfchen. Ein Shitstorm zieht auf.
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Vatikan-StadtBei seinem Besuch auf den Philippinen ließ Papst Franziskus es schon anklingen. „Wir sind oft zu Macho und lassen Frauen keinen Raum“, sagte der Pontifex dort. Dass sich der Vatikan nun mehr um die Frau kümmern will, zeigt auch ein gerade veröffentlichtes Arbeitspapier zur Plenarsitzung des Päpstlichen Kulturrates, die diese Woche startet. Aus Sicht von Beobachtern schlägt es einen vollkommen neuen Ton beim Thema Frauen in der Kirche an - auch wenn die Bemühungen eher nach hinten losgehen. Im Strategiepapier zur „Kultur der Frau“ verurteilte der Vatikan Schönheits-Operationen: Sie „amputierten“ die Gesichter der Frauen.

Schönheitschirurgie sei wie eine „Burka aus Fleisch“, heißt es in dem Dokument. Doch damit nicht genug: Nun sorgt eine Art vatikanischer Werbefilm im Vorfeld der Plenarsitzung für Aufregung. In dem Werbefilm tritt eine attraktive Blondine – die italienische Schauspielern Nancy Brilli – im knappen Oberteil auf, wendet sich an die Zuschauerinnen und fragt: „Wer bist du? Was tust du? Was denkst du über dich als Frau?“

Frauen werden in dem Filmchen aufgerufen, ein Video mit maximal 60 Sekunden Länge über ihr Leben zu produzieren und einzuschicken. Aus den eingesendeten Videos sollte ein Film für das Treffen kommende Woche zusammengeschnitten werden. Nach heftiger Kritik wurde zumindest die englischsprachige Version zurückgezogen.

Die jüngste Initiative zog viel Kritik auf sich: „Was denken sie eigentlich im Vatikan?“, empört sich Phyllis Zagano von der Hofstra-Universität in der US-Wochenzeitschrift „National Catholic Reporter“. Gezeigt werde ein Frauenstereotyp, der in vielen westlichen Ländern völlig überholt sei und für islamische Staaten nicht akzeptabel sei.

Andere kritisierten, dass Frauen, deren Ansicht für den Vatikan von besonderer Bedeutung sei – Frauen, die von Armut, Gewalt oder Krieg betroffen seien –, vermutlich kein Smartphone besäßen und kein Eigenvideo produzieren könnten. Bemängelt wurde auch, dass der Werbefilm erst kurz vor Weihnachten geschaltet worden sei.

Papst Franziskus ist an der Kritik nicht ganz unschuldig: Er hatte Theologinnen erst als „Erdbeeren auf dem Kuchen“ bezeichnet. Später antwortete er auf die Frage, ob eine Frau eines Tages ein Vatikan-Büro leiten könne, ironisch: Viele Priester stünden bereits unter der Fuchtel ihrer Hausdame. Zwar zweifelt niemand daran, dass der Papst das Thema Frauen ernst nimmt und dass er es wirklich so meint, wenn er sagt: „Frauen können Fragen stellen, auf die wir Männer nicht kommen.“

Aber, wie der Vatikan-Kommentator David Gibson sagt, klingt auch immer wieder durch, was Franziskus nun einmal ist - ein 78 Jahre alter Geistlicher aus Argentinien. Er verwende manchmal Analogien, die entweder herablassend klängen oder undiplomatisch seien, selbst wenn er es gut meine, erklärt Gibson.

Etwa 250 Videos wurden trotzdem eingereicht, ein Großteil kam von Aktivisten, die sich dafür einsetzen, dass Frauen zu Priestern geweiht werden können. Die Soziologin Consuela Corradi von der Lumsa-Universität in Rom, die neben 15 anderen Frauen Kardinal Ravasi als Beraterin zur Seite stand, verteidigt die Werbefilm-Aktion und bezeichnet die Kritik als unfair: „Wenn wir eine hässliche Frau genommen hätten, hätte das etwas an der Botschaft geändert? Ich denke, nein.“

Corradi ist auch Mitverfasserin des Arbeitspapiers für die bevorstehende Plenarsitzung. Ausschließlich Frauen hätten das Dokument verfasst, betont sie. Seitens des Vatikans sei, von der Länge des Papiers abgesehen, kein Einfluss genommen worden. Um die Priesterweihe geht es darin nicht. Dennoch wolle sich die Kirche für Frauen öffnen, so dass sie ihre Fähigkeiten „in vollständiger Zusammenarbeit und Integration“ mit Männern einbringen könnten.

Agentur
ap 
Associated Press / Nachrichtenagentur

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