VCD fordert Tempolimit
Autobahnraser drohen bis zu fünf Jahre Haft

Dem Autobahnraser von Karlsruhe, der durch massives Drängeln einen tödlichen Verkehrsunfall verursacht haben soll, drohen bis zu fünf Jahre Haft. Eine Verurteilung wegen fahrlässiger Tötung sei denkbar, sagte Staatsanwalt Rainer Bogs am Dienstag.

HB/dpa KARLSRUHE/STUTTGART. Für eine Anklage sei es aber noch zu früh, da noch nicht alle Ermittlungsergebnisse und Gutachten vorlägen. Der nach wochenlanger Suche ermittelte mutmaßliche Drängler, ein 34 Jahre alter Testfahrer des Daimler-Chrysler-Konzerns, bestreitet weiterhin jede Beteiligung an dem folgenschweren Unfall, bei dem am 14. Juli eine 21-Jährige und deren Tochter ums Leben kamen.

Unterdessen hat der Fall eine neue Diskussion um ein generelles Tempolimit auf Autobahnen ausgelöst. So fordert der Verkehrsclub Deutschland (VCD) eine allgemeine Tempo-Beschränkung auf 130 Stundenkilometer. Damit werde nicht nur die Unfallgefahr gesenkt, sondern auch die Kapazität der Autobahnen erhöht, sagte der Geschäftsführer des VCD Baden-Württemberg, Werner Korn, in Stuttgart. Der Allgemeine Deutsche Automobil-Club (ADAC) hingegen hält von generellen Tempolimits nichts: Statistiken aus Ländern mit solchen Tempo-Beschränkungen belegten, dass sich das nicht positiv auf die Unfallzahlen auswirke, sagte die Sprecherin des ADAC Nordbaden, Alexa Sinz.

Das Amtsgericht Karlsruhe hatte dem mutmaßlichen Drängler am Montag wegen Verdachts auf fahrlässige Tötung, Gefährdung des Straßenverkehrs und Fahrerflucht die Fahrerlaubnis entzogen. Es sei sicher, dass der 34-Jährige am Steuer eines dunkelblauen Mercedes CL 600 auf der A5 zwischen Karlsruhe und Bruchsal den Kleinwagen der 21- Jährigen von der Straße gedrängt habe, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft mit. Auf dem Streckenabschnitt gibt es keine Geschwindigkeitsbeschränkung. Der Wagen der 21-Jährigen geriet ins Schlingern, kam von der Fahrbahn ab und zerschellte an Bäumen. Die junge Mutter und ihre Tochter waren sofort tot.

Der Verdächtige will laut Polizei den Vorfall gar nicht bemerkt haben. Die „Stuttgarter Zeitung“ berichtete jedoch, dass es an dem Unglücks-Mercedes Schäden an der Stoßstange gebe, die mit einem schwarzen Lackstift kaschiert worden seien. Die Staatsanwaltschaft machte dazu am Dienstag keine Angaben. Für eine Anklage sei es natürlich von entscheidender Bedeutung, ob es zu einer Berührung der beiden Fahrzeuge gekommen sei, sagte Bogs. Dies werde untersucht.

Wie Daimler-Chrysler bestätigte, stammt der betreffende Mercedes aus dem Fuhrpark des Konzerns. Der 34-Jährige war am 14. Juli auf dem Weg zur Daimler-Chrysler-Teststrecke in Papenburg (Emsland). Daimler-Chrysler werde gegen den Mitarbeiter derzeit keine Schritte einleiten, sagte Kommunikationschef Hartmut Schick; das sei Sache der Justiz. „Wir werden niemanden vorverurteilen.“

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