
dne/HB DUISBURG. Die Deutsche Polizeigewerkschaft gab die Schuld für die Katastrophe von Duisburger Stadt und Veranstaltern. Der Vorsitzende der Gewerkschaft, Rainer Wendt, sagte der "Bild"-Zeitung wörtlich: "Letztlich sind Stadt und Veranstalter für die Tragödie verantwortlich." Wendt führte weiter aus, er habe schon vor einem Jahr gewarnt, Duisburg sei kein geeigneter Ort für die Loveparade. "Die Stadt ist zu klein und eng für derartige Veranstaltungen." Der Polizeigewerkschafter sieht das Problem nicht beim Festival-Gelände selbst, sondern bei den Wegen dorthin. Eine Schuld der Polizei sieht Wendt nicht.
Auch der stellvertretende Berliner Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Michael Reinke, kritisierte die Veranstalter am Sonntag heftig für ihr Sicherheitskonzept. Es sei sehr gefährlich, bei Massenveranstaltungen das Gelände fast komplett einzuzäunen, sagte Reinke am Sonntag. Bei der Loveparade in der Hauptstadt habe es dagegen weite Ausweichflächen im Berliner Tiergarten gegeben.
Ein Tunnel als einziger Fluchtweg habe in Duisburg dann zur Katastrophe geführt: "Dort fühlt man sich eh schon eingeengt", sagte Reinke. Überdies hätten sich Veranstalter und Sicherheitskräfte wohl auch erheblich bei der Zahl der anreisenden Raver verschätzt. "Ich will die Duisburger Polizeiführer nicht angreifen - aber der Massenandrang wurde wohl unterschätzt."
Der innenpolitische Sprecher der Unions-Fraktion im Bundestag, Hans-Peter Uhl (CSU), brachte personelle Konsequenzen ins Spiel. „Es wird jetzt ein strafrechtliches Verfahren geben, und wenn eine Schuld nachgewiesen werden kann, dann werden auch Köpfe rollen“, sagte Uhl Handelsblatt Online. „Die Verantwortlichen werden jetzt sicherlich schlaflose Nächte haben.“
Nach Uhls Ansicht wird die Katastrophe von Duisburg auch die Innenminister von Bund und Ländern beschäftigen. „Solche Katastrophen müssen von der Innenministerkonferenz aufbereitet und es müssen Konsequenzen für die Zukunft gezogen werden“, sagte der CSU-Politiker. Uhl forderte, Großveranstaltungen künftig noch sorgfältiger zu planen. „Wenn es die Örtlichkeit hergibt, dann sollte ein Massenzustrom dosiert werden. Es darf nicht wie in Duisburg eine Flaschenhals-Situation entstehen, bei es nur einen Eingang zum Veranstaltungsgelände gibt.“ Eine solche Situation müsse im Vorfeld erkannt und ausgeschaltet werden, betonte Uhl. Zugleich lehnte er aber schärfere Veranstaltungsregeln ab. „Die Masse Mensch ist per se eine Gefahr“, sagte der CSU-Politiker. Großveranstaltungen stellten immer auch ein hohes Risiko dar, das sich nicht gesetzlich regeln lasse. Auch ein generelles Verbot helfe nicht weiter.
Bereits vor der Technoparade hatte es Warnungen gegeben, dass das Gelände auf dem alten Güterbahnhof der Ruhrgebietsstadt wegen des komplizierten Zugangs über Tunnel und Rampen nicht massentauglich sei. Das Sicherheitskonzept für die Veranstaltung steht nun bei den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft auf dem Prüfstand.
@ A Grünert
Sie haben mit ihrer berichtigung natürlich recht, Entschuldigung. Mit 33 cm² war eigentlich auch eine Fläche von 1/3 m² gemeint.
Gerade laß ich, daß lt. Prof. Schreckenberger, dem beteiligten Staugutachter, der Einlaß-Tunnel lediglich eine stündliche Kapazität von 20.000 und nicht, wie die Stadt Duisburg angab, von 60.000 Menschen hatte. Schließlich hat dieser Gutachter Stadt und Veranstalter im Vorfeld beraten.
Nun legt auch noch der Planungsdezernent der Stadt nach und sagt, daß Gelände sei nur für 250.000 besucher freigegeben worden. Auf die Frage, wer denn da die eine Million Raver auf dem Gelände zu vertreten habe, meinte er nur, daß diese Frage zu klären sei.
Die Geschichte wird immer dubioser.
@Gerd Kintzel: ihrer Rechnung muss ich leider widersprechen. 200.000m² / 400.000 besucher entspricht nicht 50cm² pro besucher, sondern 0,5m² =5000 cm² pro besucher.
Das eigentlich Gelände der LP hat eine Größe von 230.000 m². Zieht man aufstehende Gebäude, die einzelnen bühnen, Stände usw. ab, bleiben ca. 200.000 m². Das Gelände gleicht desweiteren mit seinen Schutthaufen usw. zudem mehr einer aufgelassenen baustelle.
Die Stadtverwaltung ging davon aus, daß 400 bis 500.000 besucher gut auf das Gelände passen würden. bei "nur" 400.000 Gästen hätte jeder eine rein statistische Stehfläche von 50 cm². bei 600.000 Ravern 33 cm² usw., der reine irrsinn!
Durch den Tunnel selbst, sagt die Stadt, können in der Stunde maximal 60.000 Menschen geschleußt werden. Sechzigtausend - wo mehr als eine Million erwartet wurden...
Allein diese wenigen, nüchternen Zahlen belegen die Unmöglichkeit des durchgeführten Konzeptes - es war ein von vorneherein totgeborenes Kind.
Das nicht zu erkennen, ist für mich die eigentliche Katastrophe des Ganzen. Der Unfähigkeit und Überheblichkeit der städt. behörden ist dieses Desaster geschuldet.
ich selbst befand mich in der Nähe des Unfallortes und will hier unbedingt eine Lanze für die Polizei und die vielen medizinischen Helfer brechen: Die haben absolut professionell und schnell gehandelt.
Wer glaubt, man könne neben jeden Chaoten einen Polizisten stellen, ist wohl fern von jeder Realität. Die Polizei kann nur den Vorgaben der städt. behörden folgen, ausbaden darf sie deren unverantwortlichen Schwachsinn allemal.
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