Veranstaltung endgültig abgesagt
Aus für Berliner Love Parade

Auch in diesem Jahr wird es in Berlin keine Love Parade geben. Die Veranstaltung wurde wegen Finanzierungsproblemen am Donnerstag offiziell abgesagt.

HB BERLIN. Keine Sonnenblumen mehr im Haar, keine Trillerpfeifen, nackten Brüste und grell-orangefarbenen Bauarbeiter- Westen. 16 Jahre nach der Gründung der Berliner Love Parade ist der einst größte Techno-Umzug der Welt am Ende. Mangels Sponsoren und wegen interner Querelen wurde die „Liebesparade“ zum zweiten Mal in Folge abgesagt. Das könnte den endgültigen Tod des Raves bedeuten, bei dem in Spitzenjahren bis zu 1,5 Mill. junge Leute tanzten. Das Massen-Phänomen Techno scheint damit ebenfalls am Ende. Große, über Deutschland hinaus bekannte Clubs wie das E-Werk und der Tresor sind geschlossen. Aus den Hitparaden sind Techno-Nummern schon lange verschwunden.

Die Hoffnung wollen die Rave-Organisatoren dennoch nicht aufgeben. Ein neues Konzept und neue Gesichter sollen der Parade 2006, im Jahr der Fußball-Weltmeisterschaft, wieder Leben einhauchen, heißt es nun. Doch daran mag nach den Finanzierungslücken und dem Sponsoren-Rückzug der vergangenen Jahre kaum jemand glauben.

Die Love Parade war eine Ur-Berliner Idee: 1989 versammelte DJ Dr. Motte, mit bürgerlichem Namen Matthias Roeingh, auf dem Kurfürstendamm die ersten 150 Techno-Anhänger um sich. Auf einen klapperigen Kleinbus waren Lautsprecher montiert. Zu den wummernden Rhythmen der neuen elektronischen Musik demonstrierten die Raver tanzend für Liebe und Frieden.

Im Laufe der Jahre entwickelte sich der Umzug zum weltweiten Symbol für eine friedliche Jugendkultur. Gäste aus aller Welt reisten an und machten Berlin an einem Sommerwochenende zur Techno- Hauptstadt. Heute wird die Love Parade - geschützt als Marke - auch in San Francisco, Acapulco, Tel Aviv und Santiago de Chile gefeiert. Das „Friede, Freude, Eierkuchen“-Motto der ersten Stunde gilt allerdings schon lange nicht mehr. Spätestens mit dem Umzug der Parade vom zu eng gewordenen Kudamm auf die Straße des 17. Juni im Tiergarten wurde der Rave zum großen Geschäft mit Lizenzen, T-Shirts und CDs.

Doch Umweltschützer und Bezirk protestierten gegen die Ravermassen, die in dem größten innerstädtischen Park Bäume beschädigten, Büsche niedertrampelten oder Vögel vertrieben. Da die Parade als Demonstration offiziell bei der Polizei angemeldet war, kam für die Straßenreinigung die Stadt auf, um die Müllentsorgung im Park gab es aber jedes Jahr Streit.

2001 kam dann der Bruch: Nach einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts durfte die Love Parade nicht mehr als politische Demonstration durch Berlin ziehen, sondern musste als kommerzielle Veranstaltung organisiert werden. Auf die Parade-Macher kamen erhebliche Mehrkosten zu. Auch die Zahl der Teilnehmer sank rapide. 2002 tanzten nur noch 600 000 bis 700 000 Techno-Fans durch Berlin.

Im vergangenen Jahr begann der endgültige Niedergang: Mangels Sponsoren ließ Parade-Gründer Dr. Motte die Raver-Party im 16. Jahr erstmals ausfallen. Stattdessen gab es eine Demo, auf der 7500 Raver die Fortsetzung der Parade forderten. Danach zerstritten sich offenbar die Veranstalter. Der Geschäftsführer der Love Parade GmbH, Fabian Lenz, trat zurück, ein neuer wurde nicht gefunden. Der potenzielle Hauptsponsor Samsung zog sich zurück. Für die Technofans heißt es nun „Zurück zu den Wurzeln“ - zurück in die kleinen Clubs, von wo aus der Musikstil einst seinen Siegeszug um die Welt angetreten hat.

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