Verbraucherschützer fordern Schadensersatz
RWE: Im Spannungsfeld

Stille nach dem Sturm: Auch in der vergangenen Nacht waren noch mehrere zehntausend Menschen im Münsterland ohne Strom. Der Energieversorger RWE wehrt sich gegen Kritik, doch das letzte Urteil fällt die Bundesnetzagentur.

HB DÜSSELDORF. Nach dem schweren Stromausfall in Teilen Nordrhein-Westfalens haben Verbraucherschützer gegen Versorger RWE Forderungen nach Schadensersatz erhoben. „Wer das Geschäft macht, darf sich bei der Haftung nicht drücken“, sagte gestern Aribert Peters, Vorsitzender des Bundes der Energieverbraucher. Aber vermutlich werden Verbraucher und Unternehmen auf ihren Kosten sitzen bleiben. RWE weist die Vorwürfe zurück und begründet den Stromausfall mit höherer Gewalt.

Am Wochenende hatte der Wintereinbruch im Münsterland für chaotische Verhältnisse gesorgt. Rund 50 Hochspannungsmasten kippten unter der Last der Schneemassen zusammen. 250 000 Bürger waren lange Zeit ohne Strom und Heizung. Noch immer sind die Probleme nicht endgültig behoben. Rund 90 000 Bürger mussten die vierte Nacht in Folge in Dunkelheit verbringen. Auch für viele landwirtschaftliche Betriebe war die Situation gestern noch kritisch. „Die Lage ist schlichtweg katastrophal“, sagte Jürgen Ahlert von der Molkerei- und Warengenossenschaft Ochtrup. Notstromaggregate würden reihum eingesetzt, um das Melken zu ermöglichen.

Verbraucherschützer Peters sieht den RWE-Konzern in der Pflicht, für Schäden der Kunden aufzukommen. Er räumt aber ein, dass ein Rechtsanspruch nicht besteht. In den „Allgemeinen Versorgungsbedingungen“ werde die Haftung auf grobe Fahrlässigkeit und Vorsatz beschränkt.

Das bestätigen auch Versicherer. Haftbar sei der Stromerzeuger nur bei eigenem Verschulden, sagte ein Sprecher der Westfälischen Provinzial. Bei den Ereignissen der vergangenen Tage handele es sich aber um höhere Gewalt.

Auch die Versicherer erwarten nur geringe Belastungen. Es sei nur mit kleineren Zahlungen zu rechnen, heißt es bei der Provinzial, die fast jede dritte Police gegen Elementarschäden wie Sturm in der betroffenen Region hat. Ansprüche geltend machen können Versicherte, die beispielsweise auf Grund des Stromausfalls einen Verlust ihres Tiefkühlgutes haben. Nach den neuesten Bedingungen der Hausratsversicherungen sind dies aber maximal 600 Euro. Von den Unternehmen dürften nur wenige gegen Betriebsunterbrechung wegen Schneemassen versichert sein.

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