Verbrechen
Mutmaßlicher Moshammer-Mörder rudert zurück

Der Angeklagte im Prozess um den gewaltsamen Tod des Münchner Modemachers Rudolph Moshammer hat sein früheres Geständnis zum Auftakt vor dem Landgericht München deutlich abgeschwächt. Der 25 Jahre alter Iraker war kurz nach dem Verbrechen Anfang dieses Jahres festgenommen worden.

HB MÜNCHEN. Im Streit um Sexualpraktiken sei es zu Tätlichkeiten gekommen, in dessen Folge der 64-Jährige zu Boden ging, sagte Herisch A. am Mittwoch vor dem Landgericht München I. „Was danach war, weiß ich nicht.“ Im Gegensatz zum Geständnis, das der Angeklagte bei seiner Vernehmung abgelegt hatte, sagte er weiter aus: „Als ich gegangen bin, war er noch am Leben." Zuvor hatte sich der Angeklagte noch für seine Tat entschuldigt: „Es war ein großer Fehler von mir“, sagte er in der Übersetzung eines Dolmetschers.

Der wegen Mordes und Raubes angeklagte Iraker machte immer wieder Gedächtnislücken geltend. Ihm sei schwindelig und er sei betrunken gewesen. Herisch A. bestätigte aber die Darstellung der Anklage, wonach er am späten Abend des 13. Januar 2005 von Moshammer am Münchner Hauptbahnhof angesprochen wurde und mit dem 64-Jährigen im Rolls-Royce (Kennzeichen: M - RM 111) in dessen Haus nach Grünwald bei München fuhr. Dort habe man sich zusammen Pornofilme angeschaut. Erst nach mehrmaligen Ausflüchten („Ich schäme mich so“) gab der Angeklagte vor Gericht zu, dass es auf Initiative von Moshammer dann zu Intimitäten gekommen sei.

Moshammer habe „Schlechtes verlangt“ und ihm dafür Geld geboten, sagte der Iraker. Er betonte aber, dass er den gewünschten Analverkehr mit dem Modemacher abgelehnt habe. Es sei dann zu tätlichen Auseinandersetzungen gekommen, irgendwann habe Moshammer am Boden gelegen. Er selbst sei dann am frühen Morgen des 14. Januar mit der Straßenbahn nach Hause gefahren. Am gleichen Tag wurde Moshammer tot aufgefunden - mit einem Elektrokabel erdrosselt.

Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft, vertreten durch Staatsanwalt Martin Kronester, hat Herisch A. den Modemacher im Streit um den Lohn für Liebesdienste und aus Habgier erdrosselt: „Der Angeschuldigte handelte in der Absicht, sich Vermögenswerte seines Opfers - vornehmlich Geld - anzueignen.“ Auf der Suche nach Wertgegenständen habe er in einer Kommode ein Notebook mit Strom- und Verlängerungskabel gefunden. Dabei habe Moshammer ihn überrascht, es sei zu einer kurzen tätlichen Auseinandersetzung gekommen. Moshammer habe ihn rausschmeißen wollen und mit der Polizei gedroht. Daraufhin erdrosselte Herisch A. laut Anklage Moshammer mit dem Stromkabel. Er habe dann nach Bargeld gesucht und mehrere hundert Euro mit sich genommen.

Durch einen genetischen Fingerabdruck auf dem Kabel war die Polizei dem Iraker auf die Spur gekommen und konnte ihn nicht einmal 48 Stunden nach dem Gewaltverbrechen festnehmen. Die Verteidiger erklärten, die Speicherung des genetischen Fingerabdrucks aus einem früheren Ermittlungsverfahren sei rechtswidrig gewesen. Deshalb dürfe auch das bei der Polizei mit Blick auf die DNA-Spur abgelegte Geständnis nicht verwertet werden. Dem widersprach der Staatsanwalt - sowohl bei der Spurenauswertung als auch bei den ersten Vernehmungen hätten sich die Beamten streng an Recht und Gesetz gehalten.

Der Prozess hatte am Morgen leicht verspätet begonnen, weil der Angeklagte unmittelbar vor Verfahrensbeginn einen leichten Schwächeanfall erlitt und kurzfristig noch einmal aus dem Gerichtssaal geführt werden musste. Zuvor hatte sich der 25-Jährige minutenlang dem Blitzlichtgewitter der Fotografen gestellt. Der mit dunkelbraunem Anzug und hellem Hemd bekleidete Herisch A. wirkte verunsichert. Mit aufeinandergepressten Lippen stand der dunkelhaarige Mann vor dem Pulk aus Fotografen und Kamerateams. „Wie geht es Ihnen heute?“, rief ein Reporter. Der Angeklagte schwieg aber, stützte sich mehrfach mit zitternden Händen an dem Tisch vor ihm ab und senkte den Kopf.

Auf der Zuhörertribune drängten sich zudem gut 60 Neugierige und Anhänger Moshammers, der mit seinen exzentrischen Aufttritten - stets in Begleitung seiner Yorkshire-Hündin Daisy - als eine der schillerndsten Figuren der Münchner Gesellschaft galt.

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