Verdacht gegen Fahrlehrer
Auffällig leichte Führerscheine für Fußballprofis

Zahlreiche ausländische Fußballprofis von Bundesligavereinen müssen um ihren deutschen Führerschein fürchten: Ein Fahrlehrer und ein Tüv-Prüfer aus Niedersachsen sollen den Kickern den Weg hinters Steuer mit frisierten Prüfungen erleichtert haben.

HB GÖTTINGEN. Die Staatsanwaltschaft Göttingen ermittele gegen die beiden Männer wegen Bestechung und Bestechlichkeit, sagte Behördenleiter Hans-Dieter Apel. Am Dienstag seien die Wohnungen und Geschäftsräume der Beschuldigten durchsucht worden. Dabei wurde Beweismaterial sichergestellt. Gegen die Fußballer werde bisher allerdings nicht ermittelt, sagte Apel.

Es bestehe der Verdacht, dass die Fußballspieler besonders leichte Prüfungen absolviert hätten. Dafür solle der Prüfer vom Fahrlehrer Geld erhalten haben, sagte Apel. Möglicherweise habe er auch das Bestehen von Prüfungen bescheinigt, die überhaupt nicht abgenommen wurden. Die Staatsanwaltschaft vermute jedenfalls, dass die Abnahme der Prüfungen „nicht korrekt erfolgte und dafür Geld geflossen“ sei.

Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa macht die Staatsanwaltschaft die Aufnahme von Verfahren gegen die Sportler davon abhängig, ob gegen sie in den sichergestellten Unterlagen belastendes Material gefunden wird. Es handele sich vorwiegend um ausländische Profis, deren Fahrgenehmigungen aus ihren Heimatländern in der Bundesrepublik nicht mehr gültig waren. Seit 2001 haben danach fast 40 Spieler auf diese Weise ihren Führerschein bekommen.

Unter Fußballprofis habe es sich offenbar herumgesprochen, dass Führerscheine bei der verdächtigten Fahrschule im Landkreis Northeim besonders leicht zu bekommen seien, sagte Apel. Ein Teil der Sportler, die bei etwa einem Dutzend namhafter Vereine in ganz Deutschland spielten oder spielen, habe seinen Wohnsitz vorübergehend im Landkreis Northeim unter der Privatanschrift des Fahrlehrers angemeldet. Dies sei „sehr auffällig“, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt.

Auslöser der Ermittlungen sei eine anonyme Anzeige gewesen, sagte Apel. Nachdem die darin erhobenen Anschuldigungen nach ersten Prüfungen plausibel erschienen, habe die Staatsanwaltschaft eine richterliche Genehmigung für die Durchsuchungen erhalten. Bei der Aktion seien am Dienstag schriftliche Unterlagen und Computer sichergestellt worden, sagte Apel. Die Auswertung werde längere Zeit in Anspruch nehmen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%