Verdächtiger Erreger nachgewiesen
Geflügelpest bedroht nun Deutschland

Die in den Niederlanden und Belgien grassierende Geflügelpest hat möglicherweise Deutschland erreicht. Erstmals seit Ausbruch der Seuche in den Nachbarländern wurden nach Veterinärangaben bei einem Huhn in einem Mastbetrieb nahe Viersen in Nordrhein-Westfalen Erreger nachgewiesen, bei denen es sich um das Hühnerpestvirus handeln könnte.

Reuters DÜSSELDORF. Die nordrhein-westfälische Verbraucherschutzministerin Bärbel Höhn (Grüne) sagte, sie gehe davon aus, dass sich der Verdacht bestätigen werde. Umfangreiche Schutzmaßnahmen wurden bereits eingeleitet. Der Deutsche Bauernverband warnte vor einer „Katastrophe“ für die Geflügelwirtschaft.

Höhn kündigte eine Drei-Kilometer-Sperrzone um den Betrieb an, in der alles Geflügel getötet werden muss. Betroffen seien zwei große Mastbetriebe und mehrere kleine Höfe. Insgesamt müssten bis zu 75 000 Tiere getötet werden, um eine mögliche Verbreitung der Seuche zu verhindern. Um den Mastbetrieb wurde zudem ein Sperrriegel von zehn Kilometern gelegt, aus dem unter anderem keine Eier in den Handel gelangen dürfen. Daneben gelte ab sofort für ganz Nordrhein-Westfalen ein 72 Stunden langes, komplettes Transportverbot von lebendem Geflügel, Eiern und Geflügelgülle. Erst in drei bis sieben Tagen wird es den Behörden zufolge Gewissheit geben, ob es sich tatsächlich um das Virus handelt. Zudem wurde das zuvor gelockerte Flugverbot für Brieftauben wieder in Kraft gesetzt.

Der hochansteckende Geflügelpest-Erreger hat seit seinem Ausbruch Anfang März in den Niederlanden bereits hohe wirtschaftliche Schäden verursacht. Bislang wurden dort 26 Mill. und in Belgien 2,5 Mill. Geflügeltiere notgeschlachtet. Die Ausfuhr von Eiern und Geflügel ist verboten. Die Schäden der Branche werden in den Niederlanden auf täglich mehrere Mill. € geschätzt. Auch für den Menschen ist der Virus entgegen ersten Annahmen gefährlich. Ein mit dem Virus infizierter niederländischer Veterinär war vor wenigen Wochen an Lungenentzündung gestorben.

Der Direktor des Veterinäruntersuchungsamtes in Krefeld, Detlef Horn, bestätigte, dass in dem Mastbetrieb in Schwalmtal bei Viersen ein Tier positiv getestet worden sei. Jetzt müsse die Bundesforschungsanstalt für Viruskrankheiten auf der ostdeutschen Insel Riems mit endgültiger Sicherheit feststellen, ob es sich bei dem Erreger um die Hühnerpest handele. „Was mich erschreckt hat, ist die hohe Sterberate in dem Mastbetrieb“, sagte Horn weiter. Rund drei Prozent der 32 000 Tiere seien der Krankheit erlegen. „Wir müssen davon ausgehen, dass sich der Verdacht bestätigen wird“, sagte Höhn.

Für Menschen, die mit Geflügel in Kontakt kommen, greifen bereits beschlossene Maßnahmen wie Schutzanzüge, sagte in Berlin Bundesagrarstaatssekretär Alexander Müller. Höhn betonte, für normale Verbraucher bestehe keine Gefahr. Sie hatte unlängst empfohlen, Personen in grenznahen Gebieten mit engem Kontakt zu Geflügel - wie Bauern und Tierärzte - sollten sich vorsorglich impfen lassen. Zu möglichen wirtschaftlichen Schäden durch ein Ausbrechen der Seuche in Deutschland wollte die Ministerin keine Prognose abgeben.

Insgesamt gibt es nach Verbandsangaben in NRW rund 10 000 Geflügelhalter mit gut neun Mill. Geflügeltieren. Der Schwerpunkt der deutschen Geflügelzucht liegt aber in Niedersachen. Der Bauernverband rief die Landwirte dazu auf, sofort alle erdenklichen Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen. Für die deutsche Geflügelwirtschaft könne es zu einer Katastrophe kommen, wenn die Seuche sich so wie in den Niederlanden und Belgien ausbreite.

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