Verdorbenes Fleisch
Berger Wild ist pleite

Die Unschuldsbeteuerungen von Karl Berger, Chef bei Berger Wild in Passau, haben nichts genützt. Nach dem Skandal um verdorbenes Fleisch muss das Unternehmen Insolvenz anmelden. Der bayerische Verbraucherminister spricht von „schier unvorstellbaren“ Vorgängen bei Berger Wild.

HB MÜNCHEN. Die Passauer Skandal-Fleischfirma Berger-Wild ist pleite. Das mit verdorbenem Fleisch und Hygienemängeln bundesweit in Verruf gekommene Unternehmen habe am Dienstagmittag beim Amtsgericht Passau Insolvenz angemeldet, sagte der bayerische Verbraucherminister Werner Schnappauf im Landtag. Jede dritte Fleischprobe des Unternehmens sei für den menschlichen Verzehr nicht mehr geeignet gewesen.

„Die Frage ist, wie solch große Verfehlungen über so lange Zeit unbemerkt bleiben konnten“, sagte Schnappauf bei einer Regierungserklärung zum Wildfleisch- Skandal. Die offensichtlichen Versäumnisse auch bei der Kontrolle würden von einer Sonderkommission in Abstimmung mit dem Generalstaatsanwalt lückenlos aufgeklärt. Um ähnliche Vorfälle in Zukunft vorzubeugen, kündigte der CSU- Politiker eine „Spezialeinheit Lebensmittel“ beim Landesamt für Gesundheit, ein Rotationsprinzip bei Kontrolleuren und eine Anlaufstelle für Informanten an. SPD und Grüne machten Schnappauf für die Kontrollmängel mit verantwortlich. In Bayern gebe es „eine stillschweigende Kumpanei zwischen Fleischmafia und staatlichen Behörden“, sagte der Grünen-Abgeordnete Adi Sprinkart.

Schnappauf sagte, die „schier unvorstellbaren“ Vorgänge bei Berger-Wild hätten eine ganze Branche in Misskredit gebracht. „Bei der Firma Berger wurde offensichtlich über Jahre Lebensmittelrecht massiv verletzt. Offenbar wurde zum Beispiel in großem Stil aufgetautes Fleisch als Frischware verkauft.“ Die „Kontrolleure scheinen planmäßig und mit großer Energie umgangen worden zu sein“. So seien heimlich Nachtschichten gemacht worden, um eine Fleischbeschau zu umgehen. Obwohl der Betrieb nur auf die Verarbeitung von 800 Hasen täglich ausgelegt gewesen sei, habe Berger dort bis zu 3 000 Hasen verarbeitet. „Dass da Hygienevorschriften nicht mehr eingehalten werden konnten, ist klar“, sagte Schnappauf.

Die Kontrolle der kommunalen amtlichen Tierärzte habe mit der Ausweitung der Firma nicht mehr Schritt gehalten. Zu prüfen sei aber auch, „ob sie ihren Pflichten im notwendigen Umfang nachgekommen sind“. Aber auch die staatliche Veterinärverwaltung müsse durchleuchtet werden. Sie sei schon im August 2004 über Verdachtsmomente informiert und - entgegen bisheriger Angaben - schon am 20. Dezember 2005 von der Kripo auch über Hygienemängel unterrichtet worden. Inzwischen sei die Produktion untersagt und das europaweit in den Handel gebrachte Fleisch zurückgerufen worden, sagte Schnappauf. Von 82 Fleischproben seien 27 „nicht für den menschlichen Verzehr geeignet“ gewesen.

Vorwürfe der Opposition, er habe die Öffentlichkeit zu spät gewarnt und sich “zum Jagen tragen lassen“, wies Schnappauf zurück. Noch bevor ein einziges mikrobiologisches Prüfergebnis vorgelegen habe, habe er den Rückruf angeordnet. Schnappauf kündigte an, beim Landesamt für Gesundheit eine „Spezialeinheit Lebensmittel“ mit Chemikern und Juristen einzurichten, die bei Verdachtsfällen sofort aktiv werden soll. Beim Landesamt sollen Informanten künftig vertraulich Hinweise geben können. Die kommunalen amtlichen Tierärzte sollen nicht mehr dauerhaft ein bestimmtes Unternehmen überwachen, sondern alle zwei bis drei Jahre wechseln. Bei den staatlichen Amtstierärzten soll die Rotation verstärkt werden. Die Zusammenarbeit von Polizei, Staatsanwaltschaften und Veterinärbehörden werde neu geregelt und verstärkt.

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