Verfahren dürfte sich bis zu sechs Monate hinziehen
Staatsanwaltschaft kratzt an Jacksons Fassade

Im Kindesmissbrauchsprozess gegen Michael Jackson hat die Staatsanwaltschaft dem Popstar vorgeworfen, seine dunkle Seite über Jahre versteckt zu haben. Staatsanwalt Tom Sneddon will diese unbekannte Seite des 46-Jährigen aufzeigen.

HB SANTA MARIA. Jackson sei ein Mann, der kleine Jungen auf seine kinderfreundliche Neverland-Ranch locke, sie mit Alkohol gefügig mache und sich schließlich an einem von ihnen vergangen habe, sagte US-Staatsanwalt Tom Sneddon in seinem Eröffnungsplädoyer am Montag. In dem Verfahren werde er diese unbekannte Seite des 46-jährigen Angeklagten aufzeigen. Am Dienstag, dem zweiten Tag des Prozesses im kalifornischen Santa Maria, wollte die Staatsanwaltschaft ihren ersten Zeugen präsentieren, den britischen Journalisten Martin Bashir. Dieser hatte Jackson und das mittlerweile 15-jährige mutmaßliche Opfer in einer Fernsehdokumentation Hand in Hand gezeigt. Die Verteidigung hatte am Montag alle Vorwürfe zurückgewiesen und die Glaubwürdigkeit der Mutter des Jungen in Frage gestellt.

„Meine Damen und Herren, einmal mehr könnte der Unterschied zwischen den öffentlichen Äußerungen und dem Privatleben von Herrn Jackson nicht größer sein“, sagte Sneddon vor den Geschworenen. Jackson wird vorgeworfen, im Februar und März 2003 einen damals 13-jährigen Jungen sexuell missbraucht zu haben. Das krebskranke Kind hatte Jackson bereits 2000 kennen gelernt - den Popstar zu treffen war dessen Herzenswunsch gewesen, nachdem Ärzte ihm gesagt hatten, er würde bald sterben. Jackson wird auch vorgeworfen, dem Jungen Alkohol verabreicht zu haben, um ihn gefügig zu machen, sowie Kindesentführung, Freiheitsberaubung und Erpressung. Statt „Gute-Nacht-Geschichten und Gespräche über Peter Pan“ habe Jackson mit dem Kind auf seiner Ranch über Masturbation gesprochen, sagte Sneddon.

Die Verteidigung, die ebenfalls am Montag ihr Eröffnungsplädoyer hielt, wies die Vorwürfe rundum zurück. „Ich bin hier, um Ihnen zu sagen, dass die Vorwürfe erfunden und die Dinge nie passiert sind“, sagte Jacksons Anwalt Tom Mesereau. Er stellte Jackson als ahnungsloses Opfer einer Kampagne der Mutter des Jungen dar, die darauf aus sei, Geld von berühmten Menschen zu erschleichen. Er werde zeigen, dass die Frau bereis zwei Mal ähnliche Vorwürfe gegen andere Menschen erhoben habe.

Der exzentrische Sänger erschien in einem schwarzen Anzug mit roter Armbinde vor Gericht. Begleitet wurde er von seiner Mutter und seinem Bruder Jermaine. Auch rund 40 seiner Fans hatten Plätze in dem proppenvollen Gerichtssaal ergattert.

Das Verfahren dürfte sich bis zu sechs Monate hinziehen. Sollte der Sänger verurteilt werden, drohen ihm an die 20 Jahre Haft. Bereits Mitte der 90er Jahre ging Sneddon Missbrauchsvorwürfen gegen Jackson nach. Damals kam es aber nicht zum Prozess, da der Streit außergerichtlich beigelegt wurde.

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