Vergewaltigungsprozess Jörg Kachelmann trennt sich von zwei Anwälten

Der Prozess gegen Jörg Kachelmann erlebt eine Zäsur. Der wegen Vergewaltigung angeklagte Wettermoderator hat sich in einer entscheidenden Prozessphase gleich von zwei Anwälten getrennt. Die Gründe sind unklar ­ sicher ist nur: Die neue Verteidigung wird es schwer haben.
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Der wegen Vergewaltigung angeklagte Wettermoderator Jörg Kachelmann (l.) hat sich von seinen Anwälten Reinhard Birkenstock (r.) und Klaus Schroth getrennt. Quelle: dpa

Der wegen Vergewaltigung angeklagte Wettermoderator Jörg Kachelmann (l.) hat sich von seinen Anwälten Reinhard Birkenstock (r.) und Klaus Schroth getrennt.

(Foto: dpa)

HB KARLSRUHE/MANNHEIM. Es ist die bislang größte Überraschung im Prozess gegen Jörg Kachelmann: Kurz vor Ende einer zweiwöchigen Verhandlungspause, nach 15 Verhandlungstagen, wechselt der Wettermoderator sein Verteidigerteam. Nachdem er bereits überraschend seinen Hauptverteidiger Reinhard Birkenstock gewechselt hatte, ist auch der zweite Karlsruher Wahlverteidiger Klaus Schroth von seinem Mandat entbunden. Schroth hatte mit Erfolg die Haftbeschwerde vor dem Oberlandesgericht Karlsruhe eingelegt. Kachelmann wurde daraufhin aus der Untersuchungshaft entlassen.

Schroth will am Dienstag das Landgericht Mannheim von seiner Entbindung unterrichten. Nach Informationen von stern.de hat Kachelmann von sich aus das Mandat mit seinen Anwälten beendet, wie Schroth bestätige: "Ich habe am Montagnachmittag eine E-Mail von Herrn Kachelmann bekommen, in der er mir für meine Arbeit gedankt hat und mir mitgeteilt hat, dass er sich entschieden habe, sich einen neuen Anwalt zu nehmen", so Schroth.

Die genauen Gründe für den Verteidigerwechsel kenne er nicht. "Ich bin auch sehr überrascht. Denn das Verhältnis zu Herrn Kachelmann war immer sehr gut. Da muss etwas passiert sein. Aber ich denke nicht, dass Herr Kachelmann diese Entscheidung alleine getroffen hat."

Der Prozess vor dem Landgericht Mannheim läuft bereits seit dem 6. September. Am Montagabend wurde überraschend bekannt, dass der 52-jährige Schweizer mitten im laufenden Verfahren den Hamburger Strafverteidiger Johann Schwenn beauftragt hat.

Schwenn gilt als streitbarer Anwalt, er hat zahlreiche Prominente vertreten. Zu seinen Mandanten zählten unter anderem der DDR-Spionagechef Markus Wolf, der DDR-Liedermacher Wolf Biermann, Linke-Chef Gregor Gysi, VW-Betriebratschef Klaus Volkert, Marion Gräfin Dönhoff, RAF-Terrorist Peter-Jürgen Boock oder Ex-Radprofi Jan Ullrich. Wie Bild.de berichtet, hat Schwenn im September in einem Wiederaufnahme-Verfahren die Unschuld zweier Männern erwiesen, die vom mutmaßlichen Opfer falsch beschuldigt worden und wegen Vergewaltigung zuerst zu mehreren Jahren Gefägnis verurteilt worden waren.

Die aktuelle Wendung kam so überraschend, dass manche zunächst an eine Fälschung dachten, als eine dürre Pressemitteilung des bisherigen Verteidigers Klaus Birkenstock bei den Medien einging: "Ich habe der 5. großen Strafkammer des Landgerichts Mannheim heute angezeigt, dass ich nicht mehr Verteidiger von Herrn Kachelmann bin." Ob hinter dem Verteidigerwechsel persönliche oder prozessuale Gründe stecken, ist bisher unbekannt.

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