Vergewaltigungsprozess
Kachelmanns neuer Anwalt setzt zum Rundumschlag an

Neue, schärfere Töne im Prozess gegen Jörg Kachelmann. Der neue Verteiger des wegen Vergewaltigung angeklagten Wettermoderator nutzte die Fortsetzung der Verhandlung umgehend zu einem Rundumschlag gegen Medien und Gericht. Der Staranwalt ist bekannt dafür, verbal die Muskeln spielen zu lassen.
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HB MANNHEIM. Der neue Mann machte seinem Ruf alle Ehre. Sein Debüt als Verteidiger von Jörg Kachelmann würzte Rechtanwalt Johann Schwenn mit einer verbalen Attacke auf Gericht und Staatsanwaltschaft: Zu Staatsanwalt Lars-Torben Oltrogge sagte der Anwalt: „Sie erscheinen mir als Partei, die gemeinsam mit dem Hause Burda anstrebt, Herrn Kachelmann fertig zu machen.“ Hanseatisch-ruhig im Ton, aber schneidend scharf in der Sache. Die Staatsanwaltschaft habe das Verfahren auch in die Medien getragen.

Die Bezeichnung als „Partei“ - ein Affront gegen die Staatsanwaltschaft. Fast nebenbei landete Schwenn damit einen weiteren Schlag gegen die Medien, genauer: den Burda-Verlag und die Zeitschrift „Bunte“, die wiederholt verschiedene Ex-Geliebte Kachelmanns in großen Geschichten präsentiert hatte.

Und Schwenn legte nach: Den Richtern der 5. Großen Strafkammer warf er die unnötige Vernehmung zahlreicher früherer Kachelmann-Freundinnen vor. Das Frageprogramm sei "unappetitlich und abstoßend". Indirekt drohte er mit einer Revision vor dem Bundesgerichtshof (BGH). "Sie sind nicht die letzte Instanz", sagte Schwenn zum Vorsitzenden Michael Seidling. Schon am Morgen hatte Schwenn die suggestive Befragung einer Kachelmann-Freundin gerügt und deshalb eine Unterbrechung der nichtöffentlichen Vernehmung durchgesetzt.

Schwenn hat überraschend den bisherigen Hauptverteidiger Reinhard Birkenstock im Kachelmann-Prozess abgelöst. Kachelmann wird vorgeworfen, er habe eine langjährige Geliebte vergewaltigt. Er bestreitet das. Auch der zweite Wahlverteidiger, Klaus Schroth, wurde von Kachelmann entbunden. Die Gründe für den Verteidigerwechsel wurden auch am Mittwoch nicht mitgeteilt. Eine Sprecherin des Landgericht Mannheim sagte, dass der Wechsel auch für das Gericht überraschend kam. Kommentieren wollte sie den Vorgang nicht.

Die Nebenklage beurteilte den Wechsel als Rettungsversuch Kachelmanns. Der Anwalt des möglichen Vergewaltigungsopfers, Thomas Franz, sagte: "Vielleicht schätzt der Angeklagte seine Situation realistischer ein als sie seine Verteidiger bisher darstellten, zumindest gegenüber der Öffentlichkeit."

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  • Schwenni macht das schon, jedenfalls läßt er sich von Gericht und Staatsanwaltschaft nicht endlos vorführen. bereits vor dem beginn des Verfahrens war die besondere Lage, in welche sich das Gericht selbst verbrachte, evident. Wer kennt nicht die Methoden, mit denen Zeugen suggestiv auf die gewünschte Spur gebracht werden sollen, die ignorante Arroganz und die Verfahrensfehler ohne Ende, mit denen das arme Würstchen auf der Anklagebank gegen alle Regeln fertig gemacht werden soll. Da muß endlich hart gegen gehalten werden. Höchste Zeit für die Top-besetzung.

  • Nachdem Dilemma, wird Kachelmann vermutlich bankrott sein! Ein Top-Anwalt verdient auch Top-Honorar!

  • Ach ja, der bGH hat Fehlurteile "gehalten" und der große RA Schwenn hat dies aufgedeckt...Gelingt es bei Wiederaufnahmeverfahren ins sog. begründetheitsverfahren mit beweisaufnahme (ist nach der jetzigen Rechtslage gar nicht so schwer) zu kommen,hat die Anklage einfach wegen des Zeitablaufs schlechte Karten. Welches Opfer erinnert sich nach 10 Jahren noch an die genauen Abfolgehandlungen ,Zeitpunkte und Umstände der Tat...Einem erfahrenen und vielleicht auch skrupellosen Verteidiger ist es ein leichtes ,Widersprüche der anwaltlich oft nicht beratenen und einfach gewirkten Zeugen zu früheren Aussagen zu produzieren und dann einen Freispruch zu kassieren.Hinzu kommt ,daß viele schwache Kammervorsitzenden und auch Sitzungsvertreter der StA bei Promianwälten eine unzulässig aggressiv einschüchternde befragung der Zeuginnen nicht zu unterbinden wagen,weil sie dann den nächsten befangenheitsantrag ( der Staatsanwalt eine Dienstaufsichtsbeschwerde) am Halse haben.

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