Verhandlungen laufen
Österreicher im Jemen verschleppt

Im Jemen sind am Mittwoch zwei Österreicher von bewaffneten Mitgliedern eines Stammes entführt worden. Es seien bereits Vermittlungsbemühungen um eine Freilassung im Gange, hieß es weiter.

HB SANAA/WIEN. Wie die Sicherheitsbehörden mitteilten, brachten Männer vom al Jaradin Clan in der Provinz Marib im Nordosten des Landes die Touristen in ihre Gewalt. Der Stamm wolle mit der Entführung Mitglieder der eigenen Familie aus dem Gefängnis freipressen. Wie es von der Polizei hieß, hätten Armeekräfte das Versteck der Kidnapper bereits eingeschlossen. Es werde mit den Stammesführern verhandelt, um die sichere Freilassung der Österreicher zu erreichen.

Von den Sicherheitsbehörden hieß es, die Entführer forderten die Freilassung von drei Stammesangehörigen, die von der Polizei in der Hauptstadt Sanaa festgehalten werden. Sie seien vor zwei Monaten bei ihrer Ankunft aus Syrien auf dem Flughafen festgenommen worden und stünden im Verdacht, zusammen mit Aufständischen im Irak gekämpft zu haben. Die beiden Geiseln, vermutlich ein Ehepaar, war allein mit einem Jeep unterwegs und hatten sich eine alte Stadt in Marib - etwa 195 Kilometer östlich von Sanaa - angesehen.

Das Außenministerium in Wien sprach am Mittwochabend von „unbestätigten Meldungen“. „Wir sind dabei, diese zu verifizieren“, sagte ein Sprecher. Er bestätigte, erste Hinweise über die Entführung aus Berlin erhalten zu haben. Der Krisenstab des Außenministeriums trat zusammen.

Es handelt sich um die dritte Entführung westlicher Touristen in Jemen in diesem Jahr. Erst vor einem Monat war ein Schweizer Ehepaar in die Gewalt des Clans geraten. Auch damals ging es darum, einen Verwandten aus dem Gefängnis zu holen, der wegen eines Autodienstahls verhaftet worden war. Die beiden Schweizer waren schon kurze Zeit nach ihrer Entführung wieder freigekommen. Angeblich war zuvor der Autodieb aus dem Gefängnis entlassen worden. Im August waren spanische Touristen in der Provinz Shabwa entführt und rund zwölf Stunden festgehalten worden.

In Jemen, dem Land am Südende der arabischen Halbinsel, werden immer wieder Touristen gekidnappt, um politische Forderungen oder finanzielle Zugeständnisse in Verhandlungen mit der Regierung in Sanaa durchzusetzen. Die meisten Geiseln kamen unverletzt wieder frei. Eine Ausnahme gab es 1998. Damals hatte eine militante Gruppe von Islamisten 16 westliche Touristen entführt. Bei einer Befreiungsaktion durch die Polizei waren vier von ihnen ums Leben gekommen.

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